Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die mittelhochdeutsche Sprache bei den Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 171 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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171 daß aus der alten deutschen Zeit bei diesen Juden der Brauch sich eingeführt hat, das weiße Festgewand, damals speciell Kittel genannt, am Versöhnungstage zu tragen. Denn zumeist für diesen festlichen Tag wird in den talmudischen Quellen als religiöse Vorschrift ausgesprochen, ihn durch die Anlegung eines „reinen Gewandes" auszuzeichnen. Ganz nahe lag es, auch für das Brautpaar am Hochzeitstage die Anlegung eines solchen Festgewandes vorzuschreiben. Zur Zeit des in Mainz lebenden Verfassers des Maharilbuches * finden wir nur die Braut mit dem Sargenes als Festgewand geschmückt, während der Bräutigam, welcher die sabbathlichen Gewänder anlegte, mit symbolischen Zeichen für die Erinnerung an die Trauer um Jerusalem versehen wurde. Auch der selbst bei den Aermsten verherrlichte Seder am Pesfachabend konnte den Familienvater veranlassen, den Kittel als Festgewand anzulegen. Bei dieser ursprünglichen Einrichtung, den Kittel als Festgewand zu betrachten, konnte die Frage aufgeworfen werden, ob ein Leidtragender den Kittel anlegen dürfe? Anders verhielt und verhält es sich aber, seitdem der Kittel auch das Todtengewand wurde. Wenn zum ersten Male beim Verfasser des Rokeach unter den Gewändern für die Leiche auch das rn'^rr» pi^n, das Sargenes-Hemd, erwähnt wird, so geht daraus noch nicht hervor, das hierunter der im Leben am Feste angelegte Kittel gemeint sei. Erst aus den von den Schülern des R. Meier Rothenburg gesammelten Noten zu Maimonides*") hört man: Wer am Sabbath und Feste die Kleidung der Werktage nicht wechseln kann, weil er ein zweites Gewand nicht besitze, ziehe darüber das Sargenes, wobei wetzen des Festtages auch bemerkt wird, daß man, um die übermäßige Festfreude zu verhüten, das Sargenes, welches das Todtengewand ist, anlege. Der Gedanke an den Tod soll das Herz des Menschen ernster stimmen. Dagegen ist in der ältesten Mittheilung über das Sargenes von diesem Gewände noch nicht die Rede. Im Raben § 359 heißt es nämlich, daß man am Sabbathtag ein weites Oberhemd, welches man kbwhp nenne, anlege, das eben kein Kleid für den Werktag sei. Denn mit demselben bekleidet, kann man darin keine Arbeit verrichten. Man zeigt somit, daß es kein Werktag sei, darum legt man ein solches Oberhemd an. Wer keine besonderen Sabbathgewänder hat, verdeckt mit diesem Oberhemd die darunter befindlichen Alltagskleider. Auch