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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 170

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die mittelhochdeutsche Sprache bei den Juden
Date
1898-01-01
Page
170 (sequence 9)
Language
German
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170 Die angeführten Beispiele und Nachweisungen für diedeutsche Sprache können vermehrt werden. Sie mögen aber für dieses Mal genügen, da ich nunmehr dazu übergehen rciÜ,. die sprachlichen Elemente bei den Juden in Littauen und darüber hinaus, wie sie noch in der Gegenwart vorhanden sind, in verschiedenen Beispielen nachzuweisen. Gerade von den Juden jener Länder sagt der berühmte Sprachforscher Hildebrandt (Germania 128, 69), daß sie recht eigentlich die Träger der deutschen Cultur nach Osten gewesen, wohin sie aus Deutschland einqewandert sind. Er fügt noch hinzu, wie dir Juden am längsten die deutsche Sprache in fremden Ländern bewahren und führt dafür einen merkwürdigen, aber schönen Beleg an, daß nämlich Arnold von Harf in einer Reisebeschreibung nach Jerusalem seine Landsleute vor den dortigen Juden warnt, weil sie alle deutsch verstehen. Seit den Verfolgungen des 14. und 15. Jahrhunderts wandelten viele deutsche Juden nach Polen aus, wo sie das Deutsche als ihre Mutter-, Umgangs- und Schriftsprache beibehielten. „Was tatsch", d. h. was deutsch, blieb bei ihnen zu allen Zeiten als ein Ausruf des Staunens, der Verwunderung und des Zweifels, in der Bedeutung, wie ist diese Auffälligkeit zu verstehen? Daher auch „vertatschen" nicht allein die Uebersetzung ins Deutsche, sondern auch „etwas durch Erweiterung des fraglichen Begrifies verständlich machen", bedeutet. Eine alte deutsche Eigenthümlichkeit hat sich bei den, dem polnischen Ritus folgenden Juden erhalten sowohl im Worte als in der Sache selbst. Ich meine den Brauch, bei gewissen Gelegenheiten den Kittel zu tragen, nämlich als Festgewand. Hören wir zuerst, was Weinhold: Die deutschen Frauen im Mittelalter 2 '•* S. 276 aus nichtjüdischen Kreisen schreibt: „Als weites ungegürtetes Oberkleid ist für die alte Zeit der Kittel zu erklären. Das Wort kommt samt der Sache nicht vor dem Ausgang des 13. Jahrhunderts vor. Es werden seidene und mit Bildwerk gestickte oder gewirkte Kittel erwähnt. Im 15. Jahrhundert scheinen besonders weiße Kittel bei Männern und Frauen beliebt gewesen zu sein. Sie deckten stets die ganze Gestalt und waren zuerst Festgewänder. Als Haus- und Arbeitskleid kommt der Kittel erst später vor. Bei den Frauen ist dann der Rock, der vom Mieder getrennt und an demselben befestigt wird, darunter gemeint." Hieraus möchte ich entnehmen,

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