Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die mittelhochdeutsche Sprache bei den Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 164 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 2× ep/1002670
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164 eigentlich als Belege aus alter Zeit in den diesbezüglichen Wörterbüchern mit zur Verwendung gelangen sollten. Hier sollen von diesen nur einige Proben mitaetheilt werden. Salomo b. Jsac, genannt Raschi, starb 1105, führt in seinen Commentaren zuweilen auch den deutschen Ausdruck für seine Erklärung an. So übersetzt er zum 5. Buche Mos. c. 14 V. 4—5, wie auch in den Parallelsteller?) piaiBtfK, welches man nicht wie bisher Steinbock, sondern Astenbock zu lesen hat, vom Geweihe oder Ast. — Zum Worte D’3J im ersten Buche der Könige 6, 9 findet sich bei Raschi neben dem französischen Ausdruck T^3t das deutsche Wort „gehimmelt". T^it muß nach handschriftlicher Lesart in T7X verbessert werden; es ist oelier—celestre bei Burguy, Grammaire de la langaae d’oil III S. 75 s. v. ciel, der gern eine so alte Belegstelle den dort von ihm gegebenen Citaten hinzugefügt hätte, wenn sie ihm bekannt gewesen wäre. Was nun das deutsche Wort „gehimmelt" betrifft, so bezeichnet es nach Schmidt, schwäb. Wörterbuch, was über sich einen Himmel, eine frei in die Höhe gehobene Decke hat. Hierdurch wird das richtige Verständniß für jene Erklärung Raschi's vermittelt. Elieser b. Natan, genannt Rab'n, in Mainz nach der Zeit des ersten Kreuzzuges lebend, hat mehrere deutsche Wörter in seinen Schriften, aus denen das Wort Stegreif hervorzuheben ist, weil es sich bei ihm noch in seiner ursprünglichen Bedeutung befindet, nämlich Steg — reif, d. h. der Ring, welcher zum Einsetzen des Fußes beim Besteigen eines Pferdes benutzt wird. Hieraus hat sich eine Redensart gebildet, die so viel als etwas Jmprovisirtes bedeuten soll. So citirt Schmeller im bayerischen Wörterbuche II S. 741 einige Stellen, in denen bereits die übertragene Bedeutung „aus dem Stegraiff ohne abzusteigen, ex tempere" erscheint. Wenn wir daher heut zu Tage sagen „aus dem Stegreif sprechen", so soll das heißen, sofort und ohne Weiteres, dem aber nur das Wort „Stegreif", wie es beim Rab'n geschrieben ist, zu Grunde liegt, und nicht Steh—greif, wie manche denken mögen. Seit den Zeiten des R. Meir aus Rothenburg wird das Wort „Jahrzeit" in jüdischen Quellen bekannt, das dann sich so sehr einbürgert, daß man es nur als eine specielle