Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Eine unbekannte messianische Bewegung unter den Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 155 (sequence 8)
- Language
- German
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155 Männer aus der Gemeinde Menachem b. Elia's den Brief gesehen, jedoch auch diese waren nachlässig genug, nicht sogleich sür eine Abschrift zu sorgen, die sie nach der Heimath hätten mitnehmen können. Aber sowohl dieses Schreiben, das die vier Unwissenden in einer Kopie mitzubringen verabsäumt hatten, als das R. Tobija's, von dem der kundigere Michael erzählt hatte, glaubte Menachem für die nächste Zeit in Abschrift sicher erwarten zu können. Den tiefsten Eindruck machte die Nachricht von der völligen Sicherheit und Sorglosigkeit, der die Juden in Salonichi sich plötzlich hatten überlassen dürfen. In der Hauptstadt des Judenhasses, von dem R. Nissim aus eigener Anschauung und Erfahrung so oft erzählt haben mochte, war ein messianischer Gottesfriede wie aus dem Himmel herabgestiegen. In ihre Gebetmäntel eingehüllt, Fasten und frommen Werken hingegeben, hatten die jüdischen Bewohner von allen Geschäften zu feiern begonnen. Wie hätte es nicht mit wunderbaren Dingen zugehen müssen, wenn in dem Orte, wo kein Jude seines Lebens sicher war oder froh werden konnte, die in lichterloher Schwärmerei entbrannte Gemeinde unbehelligt ihre Erwartungen pflegen durste und selbst des Steuerdruckes plötzlich ledig galt, da weder die Kopfsteuer noch der harte Census'0), der, wie etwa der Opferpfennig im heiligen deutschen Reich, doppelt von den Juden eingetrieben zu werden pflegte, jetzt von ihnen eingefordert wurde. Das konnte nur in Wundern und in einem Winke von oben seinen Grund haben. In der That soll es der Kaiser oder der Sultan, wie der arabisch denkende Schreiber des Briefes sagt,2") also nSttVw — ^.Li- Charadj oder Kopfsteuer. □'’tJ'jy, das die Vocalisation als Dual kennzeichnet, dürfte gleich oip Census oder Steuer bedeuten. 20) Ausdrückliche Arabismen wie p. 28 Z. 7 v. u. — ,_ö . <^ oder s p. 29 Z. 6 zeigen den Einfluß des arabischen Idioms, das dem Schreiber so natürlich ist, daß er p. 27 Z. 18 — qW aus dem Hebräischen darein übergeht. Auch die Bezeichnung der Ortsnamen wie rp^JO^Dlp und beweisen die arabische Färbung.