Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Eine unbekannte messianische Bewegung unter den Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 156 (sequence 9)
- Language
- German
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156 Alexius Comnenus selber und der Patriarch^) gewesen sein, der den Juden von Salonichi seine Unterstützung habe angedeihen lassen. Sie sollten nur ihre Häuser und ihre Habe verkaufen und dem messianischen Rufe unbehelligt folgen, der an sie ergangen sei. War etwa das Gerücht von dem Aufbruch der zehn Stämme auch zu dem Kaiser des byzantinischen Reiches gedrungen? Lebte Etwas von dem Glauben an die große jüdische Macht am Sambation und die Furcht vor diesen Rächern der an den Juden verübten Ungerechtigkeit auch in dem orthodox kirchlich gesinnten Alexius, wie nachmals die Päpste Martin V.22) und Clemens VII. die Nachrichten von der Bewegung der zehn Stämme ernst zu nehmen geneigt waren? Sicher muß die Ueberzeugung eines Schutzes oder einer Konnivenz von oben für diese messianischen Gelüste und Umtriebe die Juden in byzantinischen Landen ausgesüllt und geleitet haben, wenn sie, die eben noch jede Aeußerung dieser Bestrebungen niederzudrücken und geheim zu halten bestrebt waren, den Mantel fallen ließen und offen im Gewände der neuen Hoffnungen vor aller Welt zu erscheinen wagten. Jetzt war man auch in der Heimathsgemeinde Menachem b. Elia's dabei, das Erlösungswerk offen zu erwarten und durch fromme Uebungen herbeizuführen. Fasten und Bußwerke waren an der Tagesordnung. Da gab es Viele, die an jedem Tage fasteten, Andere, die wenigstens den Montag und Donnerstag zu ständigen Fasttagen erhoben, sich geißeln ließen und des Bekenntnisses ihrer Sünden sich gar nicht zu ersättigen vermochten. Was man früher ängstlich zu verheimlichen bestrebt war, wenn Gerüchte von messianischen Traumgesichten umliefen, die Juden und sogar Christen erschienen waren, das fing jetzt an, eine ungeahnte Bedeutung anzunehmen und laut verkündet zu werden. So war unter Anderem einem Juden 21) brufi pClNm wörtlich: der große Erzbischof. Diese Schreibung beweist, daß jlDin die spätere Bezeichnung sür Erzbischof bildete, und bestätigt die Richtigkeit der Leseart in der Chronik von Oria (s. Mediaevel Jewish Chronicles ed. Neubauer II, 120 Z. 18): ■£> njyi 'OIDlNn, wo die Vermuthung nahe liegt: zu lesen. Die spätere Ueberlieferung hat in der Uebersetzung von poJJO nss durch Bischof und Erzbischof diese Bedeutung von pojN noch festgehalten s. Grünbaum, Jüdisch-deutsche Chrestomathie 38, 529, 544. - 22) Dgl. Jewish Quarterly Review IV, 503 ff.