Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Eine unbekannte messianische Bewegung unter den Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 151 (sequence 4)
- Language
- German
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151 bei diesem Namen auf byzantinischem Boden, auf dem R. Tobija entsprossen ist und gewirkt hat. Aber auch eine Zeitbestimmung offenbart uns der anfangs so dunkle Brief. Menachem b. Elia, der Schreiber, erklärt am Schluffe, nicht dahin, wie wir jetzt wissen, nach Kairo kommen zu können, weil die Heerschaaren der Deutschen in steter Bewegung seien, ohne daß man noch wissen könne, wohin sie die Richtung ihres Zuges nehmen werden. Das kann nur, da wir durch die sicher bestimmten Persönlichkeiten uns am Schluffe des 11. Jahrhunderts befinden, auf den ersten Kreuzzug sich beziehen, der die von Kaiser Alexius Comnenus zur Befreiung Jerusalems aus der Hand der Seldschuken zuerst herbeigerufenen und dann mit Angst und Schrecken begrüßten Heere der Deutschen ins byzantinische Reich brachte, und zwar auf den Herbst des Jahres 1096, in welchem die deutschen Kreuzfahrer, noch von den übrigen abgesondert, ihren Streifzug in die Nähe von Nicaea ausdehnten, wo ihr Schicksal sie erreichte^). Wir werden also kaum fehlgehen, wenn wir den Brief auch zu datiren unternehmen und ins Jahr 1096 verlegen. Nur müssen wir uns hüten, in den Deutschen des Schluffes unserer Urkunde, wie es Neubauer gethan") hat, der sich dadurch das Verständniß der historischen Aufschlüsse dieses Briefes verschloß, die Deutschen vom Anfang erkennen zu wollen. Hier haben wir es unmöglich mit Kreuzfahrern zu thun, denn wo in aller Welt hätten diese Weioer und Kinder mit sich genommen oder vollends ihr Vermögen, da sie gewöhnlich sogar ihre Schulden in der Heimath zurückließen, und wann hätten die Befreier von Christus Grabe nur auf die Bewegung der verlorenen zehn Stämme Israels gewartet, um nach dem heiligen Lande aufzubrechen! Die Deutschen, von denen Menachem b. Elia im Eingänge seines Briefes redet, sind deutsche Juden. Mag die Zahlangabe der vielen Tausende, die da ausgezogen sein sollen, sich als noch so sehr übertrieben erweisen, jedenfalls muß es eine gewaltige Bewegung gewesen sein, welche die deutschen Juden vor dem Jahre 1096 ergriffen hatte und in großen Schaaren zum Aufbruch nach Palästina und zum Zuge -durch I0) B. Kugler, Geschichte der Kreuzzüge, S- 247. n) Jb. 26.