Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Eine unbekannte messianische Bewegung unter den Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 149 (sequence 2)
- Language
- German
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149 Den Schlüssel zur Lösung mußte die bedeutendste der hier mit Namen genannten Persönlichkeiten an die Hand geben, das Schuloberhaupt Rabbi Ebjathar ha-Cohen. Aber auch dieser Name tritt gleichsam in einer irreführenden Wolke uns gegenüber. Er soll einen Brief aus Tripolis nach Konstantinopel geschickt haben. War nur der Brief aus Tripolis oder wohnte der Absender Ebjathar daselbst? War er ein Afrikaner oder ein Palästinenser, da nicht zu entscheiden ist, von welchem Trablus hier die Rede sein mag? Zum Glück gehört der Name Ebjathar zu den seltensten der jüdischen Gelehrtengeschichte 9. Finden wir nun vollends einen Rabbi Ebjathar, der noch dazu ebenfalls als Cohen und als Schuloberhaupt bezeichnet wird, so können wir mit einem an Gewißheit grenzenden Grade von Wahrscheinlichkeit behaupten, daß wir ihn in unserem Briefe vor uns haben. Ein solcher Rabbi existirt aber in der Thal. Die Petersburger Handschrift des grammatischen Werkes Muschtamil ist im Jahre 1423 der Seleucidenaera, d. i. 1112 in Fostat, d. i. Alt- Kairo für Eliahu ha-Cohen abgeschrieben worden, der uns als Sohn des Rabbi Ebjathar ha-Cohen, des Schuloberhauptes, und als Enkel und Urenkel von Gaonen vorgeführt wird^l. In diesem Jahre war R. Ebjathar bereits verstorben. Der Ehrentitel des Schuloberhauptes, der ihn schmückt, bedeutet, daß er an der Spitze der egyptischen Judenheit gestanden und die Funktionen versehen hat, die wir an die Würde des Nagid geknüpft sehen. Die führende Persönlichkeit der Judenheit an dem Sitze seiner Wirksamkeit erkennen wir in ihm auch aus dem Briefe, der von ihm voraussetzt, daß alle wichtigen Botschaften, welche die jüdische Gesammtheit betreffen, zuerst an ihn gelangen. Wie nachmals die jüdischen Gemeinden in allen Fragen, welche messianische Angelegenheiten, Bewegungen innerhalb der zehn Stämme betreffen, sich an den Nagid von Egypten wenden* 2 3), wie noch Jsak Cohen Scholal als Orakel für diese Angelegenheiten gilt4), so Vgl. Zunz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie p. 704 s-Nachtrag P. 38]. 2) Bacher in Revue des etudes juives XXX, 235. Für 3 '■) 'n'R ist daselbst 3 '3 'n ’R zu lesen. 3) Kaufmann in Jewish Quarterly Review IV 505. *) T hv f3p 'IV, 32 f.