Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 146 (sequence 15)
- Language
- German
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146 Zeit gefunden", betreten wir den Boden, wo im 13. Jahrhundert der auf Mallorka als Heiliger verehrte Scholastiker und Alchymist Raimundo Lull gewirkt und eine Missionsschule unterhalten hat. Der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator hat diesen Boden käuflich erworben und den früheren Namen Trinidad in Miramar geändert. Ein am Wege stehendes Haus mit Garten ladet den Wanderer zur Rast ein, darin ihm, wie schon früher Sitte war, drei Tage lang Obdach, Brot, Salz und Oliven unentgeltlich geboten wird. Mir ward die Gunst zu Theil, vom Erzherzog auf sein Landschloß geladen zu werden. Auf diesem zu beschaulicher Arbeit anregenden Sitze verweilt der Erzherzog mehrere Monate des Jahres, um der Schriftstellerei obzuliegen und seine Reisen und ethnologischen Studien in Werke zu fassen. Im Jahre 1882 erschien von ihm das große Prachtwerk: Die Balearen in Wort und Bild geschildert. Ein eigenes Schiff liegt unten am Hafen bereit, um auf ein gegebenes Zeichen sogleich in die weite Welt hinauszusteuern. Am andern Morgen entließ mich der hohe Herr und nachdem er mir zur Erinnerung eine von ihm verfaßte Reifeschilderung eingehändigt, führte mich sein Wagen nach der berühmten Orangenstadt Söller, um von dort aus den höchsten Berg der Insel, den Puig mayor de Lluch zu besteigen. Des Morgens um 6 Uhr — wir sind im Monat Januar — begeben wir uns auf den Weg. Der Gipfel des Berges wird von der Morgensonne vergoldet, indeß die übrigen Berge ringsum noch im Dunkel schlummern. Nach und nach senken sich die Schatten von den Bergen tiefer in das Thal hinab, bis auch das in dichtem Nebel hinter uns liegende Söller von der Sonne angestrahlt wird. Der Gesang der Drosseln und Amseln 1 erfüllt die güfte, und wohlriechende Kräuter hauchen die Wonnen der Natur aus. Nach mehrstündiger Wanderung beginnt die Vegetation zu schwinden, bis wir nur noch über kahle Felsen schreiten und eine kühlere Region uns umfängt. Um 1 Uhr sind wir auf dem sattelförmigen Kamm angelangt. Da lag sie vor uns, die goldene Insel im silbernen Kranz! Ein Trapezoid bildend, ist namentlich die nordöstliche und südliche Seite buchtenreich; nördlich das pittoreske Pollenza mit den zackigen Gipfeln des C. Formentor, weiter östlich die Bay von Alcudia, im Osten die Städte Manacor und Arta mit den weltberühmten Tropfsteinhöhlen, im Süden das C Blanco,