Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 145 (sequence 14)
- Language
- German
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145 Personen aus der Klasse. Ob Patrizier oder Plebejer, reich oder arm, sie vertrauen ihnen den Betrieb und alle Funktionen an. In den geselligen Cirkeln, in den Wohlthätigkeitsvereinen, in den literarischen, wissenschaftlichen, pädagogischen und künstlerischen Kreisen nehmen sie eine geachtete Stellung ein. Hervorragende Dichter und Schriftsteller sind zu verzeichnen, wie z. B. D Tomäs Aguilö, Guillermo Forteza, D. Jose Jgnacio Mirä. Also überall zeigt die Befreiung der Enterbten gedeihliche Folgen. Trotz alledem werden die jungen Leute aus der Gasse von allen kirchlichen Schulen ausgeschlossen, und nur zu den Kirchen zugelassen, die am meisten vom Volke besucht werden. Also nicht das Volk, sondern die Geistlichkeit ist dafür verantwortlich zu machen, wenn auf den Balearen gegen die Klasse noch ein Vorurtheil gefunden wird. Man hat darauf hingewiesen, welche Gefahren dieserhalb dem Lande drohen. Die Protestanten, die ihr Centrum in Mahon haben, vertheidigen die Unterdrückten, erweisen sich freundlich gegen diejenigen, welche von Katholiken und ihren Priestern Unbill erfahren und malen in schwarzen Farben den priesterlichen Despotismus aus. Ebenso heftig wenden sich die .Schriften der Freidenker gegen die katholische Religion und ihre Priester. O! nicht die Liebe, die von den Protestanten den Gemüthern gepredigt wird, nicht der Freisinn, der die Geister erleuchten will, schafft auf diesem Boden das Werk der Erlösung — die erlösende Macht übt hier einzig und allein der Rechtssinn des Volkes, der das Gedeihen des Landes sucht und verhüten möchte, daß noch fernerhin die begüterten Familien der Klasse auswanderten und dadurch der Insel so viele Benefizien entzögen. Mein gepreßtes Gemüth fand eine Erleichterung in dem Verkehre mit edelgesinnten Männern. Ich nenne den gefeierten Quadrado, die Dichter Rossellö, Juan Palou y Coll, Pere de Alcüntara Penya, Bartomeu Ferra; die Professoren und Schriftsteller Carnicer und Estelrich; besonders aber die Dichter aus der Klasse: Aguilö und Forteza. Ihnen habe ich es auch zu verdanken, wenn ich mich entschließen konnte, Streifzüge durch die ganze Insel zu unternehmen, um ihre Schönheiten zu genießen. Eine besonders erhebende Erinnerung bietet mir der Besuch von Miramar. Ueber Valdemosa ziehend, von dem die George Sand sagte: „sie habe nie etwas Lachenderes und Melancholischeres zu gleicher w