Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 147 (sequence 16)
- Language
- German
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147 die Insel Cabrera und Palma, dessen Kathedrale auch von hier sichtbar ist. Den ganzen westlichen Theil dehnen sich zwischen malerischen Bergen liebliche Thäler aus; überall lachen uns freundliche Städte und Dörfer entgegen, die sich unter Feigenbäumen und auf Weinfluren gelagert haben. Nächst Capri, Taormina und Cintra haben wir nichts Herrlicheres gesehen. In diesem glücklichen Eilande haben einst auch meine Glaubensbrüder geweilt und den Garten Gottes angebaut und gepflegt. Wir kehren nach Palma zurück, um die Rückreise anzutreten. Die Freunde, die ich mir dort während eines vierzehntägigen Aufenthaltes erworben, gaben mir das Geleit. Vom Schiffe ertönte das Signal und der letzte Händedruck in Palma war der des berühmtesten Sohnes der Gasse; in meinen Händen ließ er ein Bändchen seiner jüngst gesammelten Gedichte zurück. Leb wohl, Tomäs Aguilä! lebt wohl, ihr edlen Freunde! Vom Schiffe aus hefteten sich meine Blicke wieder aus die drei Gebäude, die mir der erste Palmesaner aus der Klasse erklärt hatte, doch diesmal vernahm ich die Stimme des ewigen Gerichts. Nahe der Kathedrale reden die Ruinen des Dominikanerklosters eine beredte Sprache; in der Lonsa, die auch als Speicher dient, werden heute nur Volksbelustigungen abgehalten; und als ich das Schloß Bellver passirte, fielen mir die Worte von Jovellanos ein: „Seit dem Jahre 1391, der ersten großen Judenverfolgung datirt der Verfall der Insel." Das Schiff nahm den Weg nach Valencia, das Gestade hüllte sich in einen Schleier und bald war auch der letzte Saum der Insel den Blicken entzogen.