Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 141 (sequence 10)
- Language
- German
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141 Gefühle wie die christlichen Pflichten, allein die Schwachen können sich über die Erinnerungen ihrer Jugend und die familiären Ueberlieferungen nicht erheben. Nur die Kirche könne Heilung bringen. Sie habe auch viele aus dem Staube erhoben, um sie unter die Edlen zu setzen, sie habe ihnen geistliche Aemter anvertraut, obgleich das Volk noch nicht genügend vorbereitet zu sein scheint, um das Gotteswort aus ihrem Munde zu vernehmen' allmählig werden schon die heilsamen Folgen sichtbar werden. Nur die politischen Leidenschaften können sie wieder ausheben. So viele aus dieser Klasse schlagen sich zu Parteien, die der Kirche feindlich gesinnt sind. Nur die Ketzerei könne sie kompromitüren, ebenso die Ungeduld einzelner Personen. Es mag ja peinlich sein, so lange auf die Erfüllung der Gerechtigkeit zu warten, dennoch gebieten Vernunft und das eigene Interesse, sein Temperament zu beherrschen. Taronji weist mit Entschiedenheit zurück, daß die Klasse sich zu kirchenfeindlichen Parteien geselle, er verwahrt sich auch dagegen, daß er den ganzen Klerus angegriffen; seine Anklagen richteten sich nur gegen die mallorkinische Geistlichkeit, insbesondere gegen die palmesanische. Er erinnert daran, daß ein Geistlicher, dessen Schwester sich mit einem Manne aus der Klasse verlobt hatte, sie verfluchte und der Trauung nicht beiwohnen wollte, ja er hielt ein Requiem ab an ihrem Hochzeitstage und verlangte Beileidsbezeigungen ob der Eheschließung, oder was ihm gleichbedeutend war, ob des Hinscheidens seiner Schwester. — Er erinnert daran, daß ein hochstehender balearischer Geistlicher an eine erlauchte Dame, die sich mit einem jungen Manne aus der Klasse verlobte, einen Brief gerichtet hat, darin er ihr nahe legt, ein Mann jener verhaßten Klasse sei unwürdig, mit Personen von Stand sich zu verbinden. — „Haben nicht die Nonnen von S. Cayetano sich geweigert, ein Kind aus unsrer Klasse aufzunehmen, obgleich es einer verdienstlichen Familie der besten Gesellschaft angehörte, aus welcher mehrere Gelehrte hervorgegangen? — Als der Gemeinderath einer Stadt im Innern der Insel einem Priester aus unserer Klasse eine Rede übertrug, lehnte sich nicht der Ortspfarrer dagegen auf, daß jener Priester predige? — Ein Fräulein aus der un-