Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 140 (sequence 9)
- Language
- German
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140 um ihre Kassen zu füllen*). Auch im übrigen Spanien stammt der größte Theil der Vornehmen von bekehrten Mauren und Juden ab, mancher selbst von den durch die Inquisition Verurtheilten**), so daß die Spaniern Typus sich kaum noch von den Juden unterscheiden. Wenn man aber nur diejenigen verfehmen wollte, die Nachkommen wären von jenen Verurtheilten im Jahre 1691, so ist die Frage, wie die heutigen Personen der Gasse grade von diesen abstammen sollten; übrigens ist der Rückfall jenen gar nicht nachgewiesen worden, da selbst der Todfeind der Klasse, der Oberstaatsanwalt D. Antonio in seinen Memorias zugestand, daß zum mindesten von 1511—1675 jede Spur des Judenthums von der Insel geschwunden sei. Wie dürfte also die zwölfte Generation noch an der Schuld und Strafe zu tragen haben? Hat doch selbst das Jnquisitionsgericht angeordnet, das männliche Geschlecht sei nur bis zur zweiten Generation, das weibliche nur bis zur ersten von allen geistlichen und weltlichen Aemtern auszuschließen. Bis auf unsere Tage wirkt jener Geist nach, der in dem Buche: La fee triunfante waltet und nunmehr schon die zwölfte Generation vergiftet hat. Ein großer Theil der mallorkinischen Geistlichkeit, von den Jüngern des Ignatius angeregt, sorgt dafür, die Abneigung gegen die Individuen der Gasse zu befestigen. So sieht eine ganze Klasse von geachteten, betriebsamen, die Religion und das Vaterland liebenden Familien — man zählt deren 2000 — seine religiösen Rechte unbeachtet, und leidet noch zu Ausgang des 19. Jahrhunderts an den Folgen der entsetzlichen Mißhandlungen, die im 17. Jahrhundert an ihren Vorfahren verübt wurden. Gegen die Ausführungen Taronjis erhob sich der Presbyter Miguel Maura. Er läßt dahingestellt sein, ob auf den Balearen, die bedeckt sind mit den Schandflecken der vom Ketzergericht Verurtheilten, mit den Teufelslarven einer Klasse, mehr oder weniger verabscheut, ob hier das Vorurtheil ursprünglich berechtigt oder ungerecht war, heute, so gesteht er zu, habe es keine Berechtigung mehr und verletze nur die *) Quadrado, Forenses y Ciudadanos; Rullan, Historia de Söller. **) Mendoza, Tizon de la nobleza de Espafia.