Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 139 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Gouverneur habe sich von einem Mitgefühl Hinreißen lassen, namentlich gegen die jugendliche Isabel Aguilö die einem Engel glich; mit Genugthuung betont er, die Inquisition habe selbst der autoritativen Verwendung kein Gehör schenken können; indem man dem Allmächtigen Opfer der Gerechtigkeit darbrachte, hätten die menschlichen Hekatomben die Erde gereinigt. Nur schlecht kann es Garan verbergen, daß ihm die Güter und Schätze der Gebrandmarkten die meiste Befriedigung gewährten. Auch für die Folge war die Geistlichkeit bemüht, die Vorurtheile gegen die Verfehmten zu nähren. Im Dominikanerkloster wurden die Bilder der Opfer angebracht, darüber Kreuze aus Gebeinen von Juden, die man aus den Gräben: ausgegraben. Die fürchterlichem Karrikaturen, welche Personen aus der Gasse darstellten, sollten deren Abkömmlinge dem Spott und Hohn des Volkes aussetzen. Ferner wurde eine Liste gedruckt, die die Namen aller Verurtheilten von 1645 bis 1691 enthielt. Dieses Verzeichniß schließt mit dem Beschlüsse der Inquisition: Alle Angehörigen jener Individuen sind weder zu geistlichen noch zu weltlichen Aemtern und Ehrenstellen zuzulassen, jeder Luxus, das Reiten auf Pferden, das Tragen der Waffen ist ihnen verboten, überhaupt alle Freiheiten, deren sich die anderen Bewohner erfreuen, sind ihnen entzogen. Einen Anhaltspunkt für die Unterscheidung von ursprünglichen Christen und den zum Christenthum Uebergetretenen fand man in den Namen. Taronjt weist an der Hand von ältesten kirchlichen Dokumenten nach, daß sehr viele Namen, die jetzt die Leute der Gasse tragen, christlichen Würdenträgern eigen waren. Aber auch in dem Falle, daß die Namen jüdische wären, so sei die Abstammung von Juden nur eine ehrende, aus ihrer Mtte sei ja auch Jesus hervorgegangen. In diesem Sinne traten Nicolaus V, Paul III, Clemens XI und andere Päbste für die Abkömmlinge von Juden ein. Doupanloup, derBischhof von Orleans sagte: Wenn ich eine Jüdin sehe, so glaube ich die Madonna zu erblicken. Andererseits giebt es wiederum unter der gegenwärtigen Noblesse viele Abkömmlinge von Juden, da im 14. und 15. Jahrhundert Adlige sich mit Töchtern aus der Gasse verbunden hatten.