Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 138 (sequence 7)
- Language
- German
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— 138 Laden ein. Eine ganz andere Gestalt kam mir entgegen, eine stämmige, vollblütige Kraftgestalt, deren Augen feurig funkelten. Ich stellte mich als Reiseschriftsteller vor und bat ihn um Aufschluß über den Namen Chueta. Lachend öffnete er eine Seitenthür und zeigte mir die Schinken, die an der Wand hingen, indem er sagte: „Wenn man unsere Vorfahren mit dem Worte: „Speckfresser" verhöhnen wollte, weil sie zum Genüsse des Schweinefleisches sich gezwungen sahen, so können wir das jetzt ruhig anhören". Auf meinen weiteren Wanderungen bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, daß in der Gasse jede Erinnerung an die Vorfahren verwischt ist, oder zum mindesten vermieden wird, und da drängt sich uns die Frage auf, warum denn die Personen in der Gasse noch heute wegen ihrer Abstammung manche Unbill zu erleiden haben, trotzdem sie am Katholicismus so streng festhalten? Der Priester Jose Taronji giebt uns darüber in seiner Polemik Aufschluß*). Als die eigentliche mallorkinische soziale Frage erscheint ihm die Angelegenheit der Gasse; er verfolgt die Geschichte des sozialen Unglücks auf der Insel, und da findet er, sie sei die Frucht jenes Buches, das der Jesuit Francisco Garau, Rektor des Colleg von Montesion 1691 unter dem Titel: „Der triumphirende Glaube" (La fee triunfante) veröffentlicht hat. In diesem Buche wirft Garau jenen Flüchtlingen vor, sie hätten allen Grund gehabt, die Späherblicke der Inquisition zu scheuen. Um die Indemnität der mallorkinischen Reinheit von der ansteckenden Berührung mit jenen Leuten zu retten, fordert er alle diabolischen Mächte heraus, ruft zu Haß uud Absonderung auf. Bei der Beschreibung der 4 ^.utos de fe, die 1691 celebrirt wurden, stellt er mit Genugthuung fest, daß weder bei der Exekution noch auf dem Wege dahin sich bei den Mallorkinern irgend welches Mitleid geregt habe, selbst nicht gegen Frauen und Kinder. Das sei ein deutlicher Beweis von dem heiligen Glaubenseifer der Mallorkiner wie von dem natürlichen Abscheu, den sie gegen diese Klasse hegen. Garau widerspricht sich selbst, wenn er erwähnt, der *) Estado religioso y social de la isla de Mallorca. Palma 1877.