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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 136

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Ein Besuch bei den "Leuten der Gasse" in Palma
Date
1898-01-01
Page
136 (sequence 5)
Language
German
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136 der tut Centrum der Stadt belegene Platz del Borne, ein alter Hafenplatz, das Kastell Bellver waren die Orte der Autos de fe, die den Boden Gottes entweiht und geschändet hatten. Das Jnquisitionsgericht, das sich auch in Palma etablirte, mißtraute. den Bekehrten, und um das Mißtrauen zu rechtfertigen, mußten blutige Opfer dargebracht werden. Solche. Feuerfeste des Glaubens veranstaltete man 1581 und 1645.' Als die Glücklicheren galten, über die man Kerker, Güterconfiskationen und Geldstrafen verhängt hatte. Seit 1678 wies man ihnen eine eigene Gasse an, und deren Bewohner nannte man fortan: individuos de la calle. Die Kirche mußten sie stets unter Begleitung eines Inquisitors und Polizisten besuchen. Der Haß des Volkes, dem auf diese Weise Vorschub geleistet wurde, brachte viele der Gehetzten zu dem verzweifelten Entschlüsse, durch die Flucht sich den Nachstellungen der Inquisition zu entziehen. Es war am 17. März 1688 als sie heimlich ein englisches Schiff bestiegen, doch ein Unwetter, das sich plötzlich erhob, zwang sie, in den Hafen zurückzukehren« Sie wurden eingesangen und in den Jnquisiüonskerker geführt. Am 7. März 1691 begannen die Exekutionen. Ihr Blutzeugen des Ewigen! eure Seelen sind eingegangen in das Reich des Allbarmherzigen! Raphael Balls, Raphael Benito Terongi und du Catalina, seine Schwester! euch nenn' ich für sie alle, die auf dem Holzstoß mit aller Kraft das Schema Israel hinausgerufen. Wie euer Name im mallorkinischen Volksliede lebt, so sei euer Andenken gesegnet von Juden und Christen! Doch nun zu den „Leuten der Gasse". Palma hat noch zum großen Theil die alte Physiognomie bewahrt: enge Gassen, die Dächer der Häuser weit herausragend, so daß sie sowohl gegen Sonne wie gegen Regen etwas Schutz bieten, dafür aber die Gasse in Dunkelheit versetzen. Hier und da stößt man auf eine eigenartige Einrichtung des Erdgeschosses. Von der Straße blickt man durch die Thür, die zugleich als Fenster dient, in das Zimmer, das in mehrere Theile gesondert ist. Der vordere Raum bildet das Empfangs- oder Verkaufs¬ oder Arbeitszimmer, der Hintere Raum ist bedeutend erhöht

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