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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 130

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Alexanders Zug nach dem Lebensquell
Date
1898-01-01
Page
130 (sequence 22)
Language
German
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130 vom Heere und wandert einsam, in Gedanken sinnend, seinen Weg, eingedenk, daß nicht auf breiter Heerstraße „des Lebens Räthsel und der Welt Geheimniß" sich offenbart. Nach tagelangem Wandern in schattenloser Gegend kommt er in ein Land, das dichte Finsterniß bedeckt, plötzlich aber steht er gefesselt vor einem Wunder: „Von einem Felsenhaupt, als Silberschleier Herunterfließt die heißersehnte Quelle Und Funken glänzen in dem weißen Strome, Umirrend wie der Blitz aus Geisteraugen Und weich und klanglos fällt es in ein Becken Porphyren blank und löst sich auf in Tropfen. Es scheinen, leuchtend durch sich selbst, die Wellen In Sonnenglanz zerschmolzene Smaragde; Grün wie die Hoffnung, wie die Welt im Frühling, Grün wie ein Herz voll Jugend und voll Liebe!" Aristoteles bückt sich nieder zur Quelle ünd schöpft mit hohler Hand von ihren Wellen. In der Freude des Besitzes des Unsterblichkeitstrankes sieht er schon, wie das kostbare Zaubernaß sein weißes Haar in schwarze Locken wandelt, ewiger Frühling in sein Herz einzieht und das Leben sich weit und unermessen vor seinen Blicken ausdehnt. Doch da verfällt er in ernste sinnende Betrachtung und spricht: -„Doch wieder leben Soll ich Durchlebtes? Schmerz und Gram und Wonnen, Der Forschung Glück, die nie erfüllte Sehnsucht, Der Drang, der Schöpfung Räthsel zu ergründen. Sie werden wieder sein die wilden Geier An meinem prometheisch kühnen Herzen. Was es an Schönheit hat, an Qual, an Weisheit, Ich habe durchempfunden alles Leben, Mit Phantasie erschöpft den Kreis der Menschheit. Nur Wiederholung kann das Leben bieten. Der Jahreszeiten Wandel nur, die immer Dieselben sind im Kreislauf dieser Erde".

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