Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Alexanders Zug nach dem Lebensquell
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 131 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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131 Infolge dieser Betrachtung schüttet er das Wasser wieder weg und trinkt nicht. Nur für seinen König schöpft er eine Schaale und eilt zurück, sie ihm zu überreichen. Unterwegs begegnet er aber einem Wanderer, der ihm meldet, daß der König in Babylon bereits im Sterben liege. Er kommt zu spät. Thränenden Auges steht er an der Bahre seines Königs, das Leichentuch zurückschlagend, und ruft mit bewegter Seele: „Die Fluth ist da, die Sehnsucht Dir zu stillen. Du aber trinkst sie nicht! Es haben Götter Sie Dir versagt, weil Du ein Gott sein wolltest." Dann goß er auf das bleiche Haupt des großen Helden einige Tropfen des Wassers, „Die grün wie Lenz und ew'ge Jugend leuchten, Dgß wunderbar von ihnen mitzuleuchten Beginnt die Leiche, und sie scheint zu leben." Frankl's Gedicht fußt auf der Ueberlieferung/ daß Elias der incorporirte Chidher ist, der Aristoteles als Lehrer und Führer dient, ihn durch einen Zauberspiegel in die Vergangenheit und Zukunft sehen läßt und ihm alles Dunkle und Ungewisse offenbart. Mit seiner Hilfe findet Aristoteles den Weg zum Wasser des Lebens. Fragen wir zum Schluffe nach der Entstehung unserer Legende, so verdankt dieselbe aller Wahrscheinlichkeit nach chren Ursprung Alexanders Zug nach den Sandwüsten Afrikas. Sie sind das Land der Finsterniß und der Lebensquell ist die Quelle der Oase mit ihrem grünen Palmenhain, die dem Wanderer von ferne entgegenstrahlt. Fast zur Evidenz geht dies aus dem arabischen Berichte des Thaalabi hervor. Ohne Zweifel spielen aber auch mychologische Vorstellungen in die Sage hinein. Vor allem scheint der bei Assyrern, Persern und Indern herrschende Glaube, daß die Götter durch den Genuß des Wassers der Unsterblichkeit sich ewiges Leben und dauernde Jugendfrische verschaffen, zu der Ausgestaltung der Sage wesentlich mit beigetragen zu haben.