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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 123

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Alexanders Zug nach dem Lebensquell
Date
1898-01-01
Page
123 (sequence 15)
Language
German
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123 sterblichkeit," erwiderte Alexander. Die Pforte öffnete sich, und ein Wächter, der, nach seinem Aussehen zu urtheilen, reichlich von dem Franke der Unsterblichkeit genossen hatte, führte ihn ein. Alexander erblickte ein altes Gemäuer, in dem ein Brunnen voll Wasser sich befand. Der Greis schrieb einige Zeichen auf einen Stein und warf chn in den Brunnen, worauf derselbe sich alsbald leerte. Er stieg nun mit Alexander hinab auf den Grund, und sie gelangten zu einer goldenen Pforte. Der Greis schrieb wieder einige Worte daran, und die Pforte öffnete sich von selbst. Jetzt kamen sie zu einem Dämon, der den Unsterblichkeitstrank bewachte; er sprach ein Gebet, und der Dämon fiel rücklings zu Boden. Durch dasselbe Mittel befreite er sich auch von einem Teufel, der das Himmelswasser bewachte. Nun wollte Alexander in langen Zügen die Unsterblichkeit trinken, doch plötzlich umleuchtete ihn ein großer Glanz und ein Genius entflieg dem Wasser und sprach zn dem erstaunten Eroberer: „Hier nimm diesen kleinen Stein und sobald Du einen andern gefunden hast, der vollkommen ebenso schwer ist, wie dieser, dann komme zu mir zurück, und ich will Dich trinken lassen." Mit diesen Worten verschwand der Genius. Der Greis führte den König zum Eingänge zurück und der Brunnen füllte sich wieder mit Wasser, wie vorher. Alexander bot nun sein ganzes aus Hofleuten, Dienern und Sklaven bestehendes Heer auf, kleine Steine zu suchen, doch man fand keinen, der vollkommen gleiches Gewicht mit dem des Genius hatte. Endlich nahm Alexander den Ausweg, eine handvoll Erde seinem Steine hinzuzufügen, um das Gewicht auszugleichen, und voll Freude kehrte er zur Quelle zurück. Die Pforte öffnete sich und der Genius erschien abermals. Alexander zeigte ihm die beiden Steine, der Genius betrachtete sie und sprach: „Sterblicher, Du hast Erde hinzugefügt. Du hast mir damit bewiesen, daß Du von Erde bist und wieder zu Erde werden mußt." Aus Verzweiflung fiel Alexander in einen schweren Tiefsinn. Als er sich krank und dem Tode nahe fühlte, richtete er einen rührenden Brief an seine Mutter Olympias und beschwor sie, seinen Verlust mit Fassung zu ertragen. Der talmudische Bericht, auf den die Erzählung Carmoly's wahrscheinlich zurückgeht, steht im Tractat Tamid 32 ad. Vergl.

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