Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Alexanders Zug nach dem Lebensquell
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 122 (sequence 14)
- Language
- German
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122 von sich giebt, sollen die Irrenden darauf zugehen." Chidher marschierte voraus und rückte vorwärts, während Dsulkarnein sich lagerte. Chidher stieß auf eineu Wadi, in dem er den Quell vermuthete. Es kam ihm dies in dem Sinn, als er am Rande des Wadi stand. Er ließ seine Leute Halt machen, keiner sollte seinen Platz verlassen. Er warf die Muschel in den Wadi und es dauerte lange, ehe der Schall von ihr zurückkam. Er ging dem Laute - nach und fand, daß sie am Rande des Quells seien. Er zog seine Kleider aus und ging in den Quell hinein. Dieser war weißer als Milch und süßer als Honig. Er trank, badete sich, machte die vorgeschriebenen Ablutionen und wusch seine Kleider; darauf warf er die Muschel gegen seine Krieger; sie fiel auf und er ging dem Schalle nach. Bei seinen Leuten angekommen,, befahl er ihnen, sich marschbereit zu halten und sprach: „Vorwärts im Namen Gottes!" Dsulkarnein ging vorüber und verfehlte den Wadi." Obwohl er hier seltsame Dinge sah, wie beispielsweise ein Licht, das aber weder dem Licht der Sonne, noch dem des Meeres glich, sodann rothe mit Sand bedeckte Erde und ein herrliches eine Parasange großes Schloß, so wurde ihm doch das Wasser des Lebensquell nicht zu Theil. Vergl. Sprenger, das Leben und die Lehre des Muhammed II, S. 470 ff. — In neuem Gewände und mit einer andern guten und sinnigen Wendung tritt uns die Legende unter den sechs Alexandererzählungen bei Carmoly, Les mille et un contes, recits Chaldeens, Bruxelles 1837, in der fünften mit der Ueberschrift: La genie vor Augen. Ihr Hauptinhalt ist, in Kürze dieser. Als der Macedonier die Rede des Genius der Gerechtigkeit gehört, durchschaute er mit einem Male die Nichtigkeit seines Ehrgeizes, da dieser ja mit dem Grabe enden mußte. Von dem Augenblicke sann er nur darauf, sein Leben zu verlängern und von dem Wasser der Unsterblichkeit zu trinken. Er zog daher sofort in das Land des Gog und Magog, wo eine Quelle dieses wunderbaren Wassers sprudelte. Nach unsäglichen Mühen und Anstrengungen kam er an die Pforte des Brunnens, sie war aber verschlossen. Er pochte und verlangte in seinem ungestümen Weffe Einlaß, doch eine Stimme rief ihm von innen Zu: „Was suchst Du hier?" „Die Un-