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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 114

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Alexanders Zug nach dem Lebensquell
Date
1898-01-01
Page
114 (sequence 6)
Language
German
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114 wie schon Ethe bemerkt, läßt sich nicht Nachweisen, woher der Verfasser diese Angaben geschöpft hat, in Mohl's Ausgabe des SchühnLme kommen sie nicht vor, ebenso wenig finden sie sich bei anderen orientalischen Schriftstellern. Chidher ist eine heidnisch-mythische Gestalt der Muhammedaner, die in vielen Legenden eine Rolle spielt. In der Alexandersage erscheint er stets als der Großvezier Alexander's, er ist sein steter Begleiter und weiser Rathgeber. Auf Grund seines Namens, eig. der Grüne, d. i. der Frische und Blühende, gilt er als Symbol der ewig neu schaffenden Naturkraft. Ueberall, wohin sein heilsgesegneter Fuß wandelt, thut sich eine grüne Aue vor ihm auf. Daß ihm das Glück zu Theil wird, aus der Lebensquelle zu trinken, während Alexander dies versagt bleibt, erklärt sich dadurch, daß er in der sufijchen Spekulation schon weiter vorgeschritten war und sich von der irdischen Welt mit ihren Angelegenheiten und Sorgen losgelöst hatte, während Alexander erst auf dem Wege dahin begriffen war.*) Eine durchaus mystische, dem Geiste des orientalischen Sufismus entsprechende Beleuchtung hat die Episode von Alerander's Zuge nach dem Lebensquell durch den persischen Romantiker Nizünu in seinem Jskendernüme, dem letzten Theile des Pentsch Gentsch, d. i. der fünf Schätze, oder des Chamseh, d. i. des Fünfers, erfahren. Die Episode schließt sich an die Schilderung der Expedition nach Barda a gegen die Russen zu Gunsten Nüschübe's, der Freundin Alexander's. Wie bei Firdüf! ist es auch hier ein Greis, der dem König in seinem großen Divan (Versammlung) Kunde von der Lebensquelle giebt und ihn anreizt, sie aufzusuchen. „Bester als alles Schwarz," läßt Nizüm! den Greis sagen, „ist jene schwarze Finsterniß, in der ein lebenverleihendes Wasser fließt, und willst Du lange Zeit hienieden weilen, so (tauche in dasselbe ein und) hebe das Haupt empor aus dem Lebensquell." Als die Umstehenden in ihrer Verwunderung ausrufen: „Wie kann aber im finstern Schwarz Leben wohnen," spricht Alexander im Geiste eines sufischen Gedankengrüblers: „Vielleicht verhält es sich mit dem Schwarz um jene Quelle herum gerade so wie mit dem Schwarz der Buchstaben in der geschriebenen *) Fr. Rückert hat der Sage von Chidher, dem Ewigjungen, in der Parabel „Chidher" ein herrliches poetisches Gewand verliehen. (S. Gesammelte Gedichte, I. Bd., 3. Ausl. Erlangen 1836. S. 53.)

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