Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Alexanders Zug nach dem Lebensquell
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 113 (sequence 5)
- Language
- German
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113 Chidher zu ihm Derselbe wird als Haupt der Großen jener Gemeinde und später als Prophet bezeichnet. Alexander spricht zu ihm: „Wenn wir das Lebenswasser in unsere Gewalt bringen, so wollen wir dort lange verweilen, um ihm Verehrung zu erweisen. Niemand stirbt, der seine Seele wohl nährt und auf verständige Weise bei Gott seine Zuflucht sucht. Ich habe hier zwei Siegelringe bei mir, die gleich der Sonne die finstere Nacht durchstrahlen, sobald sie Wasser erblicken. Einen davon nimm Du und gehe voran und gieb wohl Acht auf Deine Seele und Deinen Körper. Der andre wird mir als Leuchte auf dem Wege dienen, und so will ich mit dem Heere in die Finsterniß hineinziehen. Wir werden ja sehen, was der allwaltende Weltenherr hier auf Erden augenscheinlich verborgen hält. Du gehst als Führer voran, Du, der meine Zuflucht bildet und mir das Wasser und den Weg zeigen wird." Nachdem sie zwei Tage und Nächte gewandert, ohne etwas zu essen, erschienen am dritten mitten in der Finsterniß zwei Wege, und nun verirrte sich der König. Als Chidher den Lebeusquell wirklich gefunden hatte, heißt es weiter von ihm: „Er wusch in jenem leuchtenden Naß sich Leib und Haupt und suchte Keinen außer dem heiligen Gott zu seinem Schützer; er genoß davon, ruhte aus und kehrte dann um, und seine Danksagung (gegen Gott) vermehrte er noch durch Lobpreis." (S. Eth«, Alexanders Zug zum Lebensquell im Lande der Finsterniß. Sitzungsberichte der philos.-philoldg. Kl. der K. b. Akademie der Wissenschaften zu München, Bd. I (1871), S. 375.) Ganz anders Görres in seinem Heldenbuch von Iran, Bd. II, S. 390 f. Nach ihm gelangte auch Alexander an die Quelle des Lebens, doch als ihm ein Becher mit Wasser aus ihr gereicht wurde und er im Begriffe stand, zu trinken, rief ihm eine warnende Stimme zu: „So Du trinkst, wirst Du freilich nicht sterben, aber Du wirst Dir ein großes Uebel bereiten. Deine Jahre werden sich häufen, und Du wirst schwach werden und hinfällig und elend vor Alter, und Lebensmüde wird Dich überfallen, dann wirst Du den Tod verlangen, daß er von den Uebeln Dich befreie, aber Gott wird Dir ihn nicht gewähren. Du wirst Dich fortmühen unter der unerträglichen Last, und jeder Athemzug wird Dir ein neuer Tod sein." Alexander erwog eine Weile sinnend diese Worte, dann setzte er den Becher ab, goß das Wasser auf die Erde und setzte seine Reise nach dem Lande der Finsterniß fort. Doch, 8