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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 112

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Alexanders Zug nach dem Lebensquell
Date
1898-01-01
Page
112 (sequence 4)
Language
German
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112 An erster Stelle kommt Firdüsis' berühmtes Heldenepos Schühname in Betracht. Alexander, oder, wie hier sein Name lautet: Jskender Dsulkarnein, erscheint als der Sohn der Nahid, der Tochter des Königs Filiquus von Rum*) und des persischen Schahs Darab I., die beide einen Kampf mit einander geführt haben; dieser ist von jenem besiegt worden. Sobald als Jskender in Rum die Herrschaft erlangt hat, unternimmt er seine Heerfahrten. Er unterwirft sich nicht nur seinen Vater Darab, sondern auch den König Kaid von Indien. Auf seiner Rückreise besucht er die Ka aba und vollbringt verschiedene Thaten in Arabien, deren eine ihn in Berührung mit der Königin Qidafa bringt. Nun folgt die Episode vom Lebensquell. Nachdem er die seltsame Weiberstadt Harum, in der nur Frauen wohnen und kein Mann geduldet wird, betreten, kommt er in eine andere, deren Bewohner rothe Haare und blasse Gesichter haben. Hier fragt er einen Greis, ob er ihn auf irgend eine wunderbare Erscheinung aufmerksam machen könne. Da erzählt ihm derselbe, daß auf der anderen Seite der Stadt sich ein Bassin befinde, auf das die Sonne ihre glühenden Strahlen niedersende, worauf sie sich in die tiefen Fluthen desselben tauche. Hinter dieser Quelle lagere tiefe Finsterniß über der Welt, so daß alles sonst Sichtbare dort unsichtbar werde. Nach dem Ausspruch eines weisen Sehers sprudelt daselbst auch der Quell Ab Chaiwün, das Wasser des Lebens. Es komme aus dem Paradiese; wer von ihm trinke, erlange Unsterblichkeit und wer darin seinen Leib wasche, reinige sich von allen Sünden. Alexander rüstet sich zur Heerfahrt, kommt zu einer großen Stadt und begiebt sich am nächsten Morgen allein zu dem Bassin. Er verweilt bei ihm bis zum Untergang der Sonne und sieht, wie dieselbe wirklich in den Wogen des Wassers versinkt. In sich gekehrt und seiner Phantasie freies Spiel gestattend, kehrt er am nächsten Morgen wieder zu seinem Heere zurück, richtet ein Gebet zu Gott empor und faßt den Entschluß, den Lebensquell aufzusuchen. Mit Lebensmitteln auf wehr als 40 Tagen versehen, bricht er mit einer auserlesenen Schaar auf. Als Führer gesellt sich *) Unter Rum verstehen die Orientalen das oströmische oder byzantinische Reich in seiner ganzen Ausdehnung in Europa wie in Kleinasien. Wegen seiner Abstammung von Darab wird Alexander von den Persern als ihr Landsmann betrachtet und es wird ihm große Bewunderung gezollt. Filiquus — Feilefus — Philippus.

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