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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 111

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Alexanders Zug nach dem Lebensquell
Date
1898-01-01
Page
111 (sequence 3)
Language
German
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111 „Das Land, welches Du betrittst, o Alexander, gehört Gott allein; kehre um, Elender, denn das Land der Seligen wirst Du nicht betreten können. Kehre also um und gieb Dir keine Mühe!" Zitternd und bebend gehorchte Alexander der Stimme der Vögel und ordnete den Rückzug an und befahl seinen Soldaten, daß jeder von dem Orte etwas mitnehme, es sei Stein oder Koth oder Holz! Viele gehorchten dem Worte des Königs und rafften zusamnien, was sie gerade fanden. Den Stimmen der Stuten folgend, gelangten sie nach einigen Tagen wieder ans dem mit ewiger Nacht bedeckten Lande. Jetzt betrachtete ein jeder, was er mitgenommen, und siehe, es waren Perlen und kostbare Steine. Besonders zeichnete sich ein Stein aus, den Philon aufgehoben hatte; er war pures glänzendes Gold. Jetzt erzählte auch der Koch das Wunder mit dem Fische; daß er aber von dem Wasser getrunken hatte, verschwieg er. Alexander gerieth darüber in großen Zorn, er ließ den Koch schrecklich peitschen, dann gebot er, ihm einen Stein an den Hals zu binden und ihn ins Meer zu werfen. Der Genuß des Unsterblichkeitswassers jedoch bewirkte, daß der Hinabgestürzte nicht starb, sondern in einen Meerdämon verwandelt wurde. Ebenso erging es der Kale, die inzwischen von dem Koch verführt worden war. Als der König erfuhr, daß auch sie von dem Unsterblichkeitswasser getrunken hatte, verstieß er sie aus Mißgunst mit den Worten: „Nimm Deine Kleider und hebe Dich hinweg, die Du unsterblich geworden bist; Du wirst Nereis heißen und in dem Wasser wohnen". Weinend und klagend ging sie von seinem Angesichte hinaus in die Wüste unter die Dämonen. Vergl. H. Weismann, Alexander vom Pfaffen Lambrecht 2. Bd. S. 135—138. In der lateinischen Uebersetzung des Pseudo-Kallisthenes von Julius Valerius findet sich die Episode von Alexanders Zuge nach dem Lebensquell nicht. Dagegen wird sie von persischen Dichtem mit verschiedenen Abweichungen in Einzelheiten erzählt. Nur die Oertlichkeit, daß sich der Lebensquell im Lande der Finstemiß vor den Gefilden der Seligen befinde, ist festgehalten, wo aber dieses Land liege, darüber gehen die Meinungen auseinander.

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