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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 110

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Alexanders Zug nach dem Lebensquell
Date
1898-01-01
Page
110 (sequence 2)
Language
German
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110 in manchen tritt an die Stelle sein Zug nach dem Paradiese. In dem griechischen Volksbuche des Pseudo-Kallisthenes, dessen Anfänge wahrscheinlich in die Zeit der Ptolemäerherrschaft fallen*), das aber unter den byzantinischen Kaisern des 3. Jahrhunderts wesentlich weitergeführt und fortgesponnen wurde, wird uns der Zug nach dem Lebensquell Buch II, Kap. 39 und 40, ziemlich ausführlich erzählt. Er steht da im Zusammenhänge mit dem Zuge nach dem Lande der Seligen. Nachdem Alexander, der als ein Kind der Olympias und des Gottes Ammon (Amun-Ra) dargestellt wird, Alexandrien gegründet und von da aus verschiedene abenteuerliche Züge nach unbekannten Ländern mit fabelhasten Wesen gemacht, hat er den Wunsch, bis an das Ende der Welt zum Lande der Seligen vorzudringen. Obwohl ihn bald dichte Finsterniß umgiebt und der Weg an Schnüren gemessen werden muß, läßt er sich doch nicht abschrecken. Um sicher den Rückweg wieder zu finden, wird auf den Rath eines Greises die Reise auf Stuten unternommen, deren Fohlen zurückgelassen werden. Nachdem sie 15 Schoinos (etwa eine geographische Meile) in der Finsterniß vorwärts gedrungen sind, gelangen sie an eine durchsichtige Quelle, deren Wasser wie der Blitz leuchtet, und dessen Luft mit balsamischen Gerüchen erfüllt ist. Sie befanden sich an der Quelle des Lebenswassers. Da der König hungrig geworden war, so rief er seinen Koch Andreas herbei und befahl ihm, Speise zurecht zu machen. Dieser nahm einen getrockneten Fisch und begab sich zu dem durchsichtigen Wasser, um ihn abzuwaschen. Wie er ihn aber in dem Wasser hin und her schüttelte, ward er lebendig und entschlüpfte seinen Händen. Der Koch theilte das seltsame Geschehniß Niemand mit, er goß aber von dem Wasser etwas in ein silbernes Gefäß, trank davon und gab auch der Kale, einer Tochter Alexanders, davon zu trinken. Als Alexander sich durch Speise gestärkt hatte, setzte er die Reise fort und kam an einen glanzersüllten Ort, obgleich weder Sonne noch Mond und Sterne zu sehen waren. Drei vorüberfliegende Vögel mit menschlichen Gesichtern riefen ihm aber in griechischer Sprache zu: *) Die Hervorhebung des Ptolemäus im Briefe Alexanders an Aristoteles legt diese Annahme nahe.

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