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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 107

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Aus einer Tischrede am Szeder-Abend
Date
1898-01-01
Page
107 (sequence 7)
Language
German
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107 dies mein Angedenken von Geschlecht zu Geschlecht". Ebenso wird parallel mit dem Namen Gottes sein Angedenken genannt (Ps. 135, 13) und der Prophet Hosea (12, 6) sagt: „Und der Ewige ist der Gott der Heerschaaren, Ewiger ist sein Angedenken". Noch mehr! der Psalmist setzt 12k nicht blos neben den Namen Gottes, sondern neben Gott selbst; so (Ps. 102, 13) „Du aber. Ewiger, thronest ewiglich und Dein Angedenken von Geschlecht zu Geschlecht". Schließlich wird 12t für Gott selbst gesetzt, indein es (Ps. 30, 5 und 97, 12) heißt: „Freuet Euch, Gerechte in dein Ewigen und danket seinem heiligen Angedenken"*). "wr ist eben auch die Sache selbst, ist das Wesen der Sache, weil es das Bleibende, Dauernde, das Ewige ist und sein soll.- Ganz unwillkürlich sagt man wohl auch, wenn von historischen Ereignissen vergangener Zeiten die Rede ist: wir haben damals gekämpft, wir haben gelitten, wir haben gestrebt und gewirkt. „Wir" — wer sind denn diese Wir? Leben denn die noch, die vor zweitausend Jahren gekämpft, die vor tausend Jahren gelitten? Aber wir, wir Juden, das sind eben Alle, die im Judenthum, durch das Judenthum vereinigt waren und vereinigt sind; horizontal in der ganzen Ausdehnung des Erdenraumes, vertikal im ganzen Ablauf der Zeiten bilden Alle zusammen die „wir", die Einheit und Gesammtheit; darum ist auch das Schicksal dieser Gesammtheik das eines jeden ihrer Glieder; als solche sollen wir es fühlen, erleben und bestehen; in dieser Einheit tragen wir alle das gleiche Geschick, haben wir dieselben Pflichten, hegen wir die gleiche Hoffnung auf die Einheit der erleuchteten Menschheit. Jetzt sind wir und sollen wir von ganzem Herzen sein Söhne des gleichen Stammes; dann aber Alle, mit Allen zusammen, Kinder des Einen Gottes; des Einen Gottes, den schon Abraham erkannt, den alle Propheten verkündet, den alle Weisen Israels gepredigt haben, alle von dem gleichen, in *) Es ist interessant, die mannigfach abweichenden, wechselnden Uebersetzungen dieser Stellen bei Luther, Mendelssohn, Zunz und Sachs mit einander zu vergleichen; da begegnen uns: Denkwort, Gedanken, Gedächtniß, Andenken, Name, Ruhm u. s. w. Man sieht daraus die Schwierigkeit, genauer gesagt, die Unmöglichkeit, hier der hebräischen Denk- und Redeweise in der Uebersetzung durch ein einziges Wort gerecht zu werden.

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