Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Aus einer Tischrede am Szeder-Abend
Date
1898-01-01
Page
106 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111068-3111204--0119-3111355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

106 diese Continuität des Geistes, welche in der unsäglich reichen Litteratur des Judenthums ihren schöpferischen Ausdruck findet, und — obgleich in sehr verschiedenen Richtungen, doch fast allezeit die gleiche Energie der Fortbewegung bewährt; — diese Continuität des Geistes ist die erhaltende Macht des Judenthums und dadurch die ausdauernde Lebenskraft des jüdischen Stammes. Unter den Propheten hat besonders Jeremias in seinen zartesten, innigsten, ergreifendsten Reden immer an die Vorzeit angeknüpft, besonders den Auszug aus Mizrajim gefeiert. Ihm folgen viele von den Psalmisten. Die Heroen des Talmuds aber haben in ihrer Weisheit alles Erfreuliche und Erquickende, alles Belebende und Erhebende als D'ixa nx’rb 12s angesehen. 13?! meine Freunde! 13?! Ja gedenket; das Andenken an die Geschichte sesthalten, in der Geschichte leben — jeder Einzelne, wenn er als Jude lebt, als Jude denkt und fühlt, — Jeder, auch bei kritischem Denken, auch bei radikalem Streben, wenn es nicht leichtfertig oder frivol, wenn es lauter und ernst ist, wenn der Stolz auf sein Judenthum, die Sorge um sein Judenthum ihn treibt — Jeder, sage ich, spinnt init an den Fäden, webt init an dem Gewebe der Geschichte. 13?! Gedenken, geschichtlich, im Zusammenhang der Geschichte leben heißt wahrhaft, wahrhaft und ernsthaft leben; — sonst sind wir Menschen ja bloße Eintagsfliegen, unser Dasein ist flüchtig und nichtig; — historisch aber leben wir ja auch in der Vergangenheit, weil sie in uns lebt, und mit unserem eigenen Thun sind wir bereits bei denen, die es erben, die darauf fortbauen werden. — — Längst hat man erkannt und auch ausgesprochen: dadurch unterscheiden sich von den sogenannten wilden oder Naturvölkern die Culturvölker, daß diese eine Geschichte haben; ohne Cultur keine Geschichte und ohne Geschichte keine Cultur. Wiähoch aber schon in uralten Tagen bei den Juden die Geschichte, das Gedenken geschätzt war, können wir aus der Bedeutung sehen, welche dem Worte i:? sogar lexicalisch beigelegt wird; eine Bedeutung, welche es oft unmöglich macht, es in seinem Zusammenhang richtig zu übersetzen. Heißt es doch im engsten Anschluß an die eben citirten Worte der göttlichen Sendung: „Dies ist mein Name für immer und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.