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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 105

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Aus einer Tischrede am Szeder-Abend
Date
1898-01-01
Page
105 (sequence 5)
Language
German
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105 6. 15). „Also," sagt Gott bei der ersten Sendung zum Moses, „also sprich zu den Kindern Israels: der Ewige, der Gott Eurer Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs^ sendet mich zu Euch." Sie kannten ihn also, sie wußten von ihm; sie, die Kinder Israel wußten von dem Gott ihrer Väter wenigstens so viel, daß sie seinen Anruf verstehen konnten; sie hatten eine von der Last der Zeiten fast erdrückte, aber dennoch fortdauernde Erinnerung an die Väter und an den Gott ihrer Väter. Das Festhalten der Erinnerung und das Wiederaufleben dieses erhabensten Gedankens war die innerste Triebkraft des Aufschwungs, die Fahne, der sie folgten, die Feuersüule, die ihnen voranschritt, daß sie später auch den schweren und gefährenreichen Wüstengang der Geschichte vollbringen konnten. Später aber-, als das eroberte Land wieder zur Beute der übermächtigen Fremden geworden, als der Staat vernichtet, die Stadt verwüstet und der Tempel zerstört war, da blühte das Judenthum, seiner früheren Lebensform beraubt, in neuer, tieferer, innerlicherer Gestalt auf und hat sich selbst lebenskräftig und auch den Stamin, der sein Träger ist, am Leben erhalten. Der nächste Zweck des Auszugs aus Aegypten: Freiheit und Selbständigkeit, war wieder zertrümmert; wiederum war den Juden Nichts von allen Gütern der Erde, von den äußeren Mitteln des Zusammenhalts einer Masse geblieben; — aber der geistige Gehalt des Judenthums, die durch die Schöpfungen der Propheten noch mehr erhöhte, bereicherte, geläuterte Religion, die noch mehr vertiefte, erweiterte und veredelte Sittlichkeit, sie wurden als heiliges Erbgut erhalten und gepflegt, auch in der breiten Masse des zerstreuten Volkes mehr als je vorher verbreitet. Ja, diese Continuität des Geistes, dieser innige, feste, nie abbrechende Zusammenhang der Gedanken von Geschlecht zu Geschlecht in den weiten Bahnen der Geschichte; diese Continuität, vermöge deren z. B. die Priester — und nicht blos die jüdischen, sondern auch alle christlichen — das Volk mit denselben Worten segnen, mit denen es seit Jahrtausenden gesegnet wird, oder ein Vater am Festabend sein Kind mit denselben Worten, wie der Erzvater Jakob seinen Enkel gesegnet; —

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