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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 104

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Aus einer Tischrede am Szeder-Abend
Date
1898-01-01
Page
104 (sequence 4)
Language
German
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104 historische Ereigniß gleichsam als ein göttliches Experiment hingestellt werden soll; damit ist die ganz außerordentliche Eigenart des Vorganges gekennzeichnet und die hohe völkerpsychologische Bedeutung der Thatsache ahnungsvoll ersaßt. Man hat oft und mit Recht die Erhaltung des kleinen jüdischen Stammes, wahrend die größten und mächtigsten Völker ringsum zu Grunde gegangen sind, als ein Wunder bezeichnet und gepriesen. Die Erklärung des Wunders oder die Lösung des Räthsels ist in beiden Fällen, bei der Gründung und bei der Erhaltung des Volkes dieselbe; in einem.und demselben historischen Moment des geistigen Lebens tritt sie uns entgegen. — Die Wege der Vorsehung sind unerforschlich, menschliche Einsicht reicht nicht hin, sie völlig zu ergründen; eine erhebende und beseligende Aufgabe aber ist es, sich in die Frage nach denselben zu vertiefen und zu ringen und zu versuchen, wie viel wir aus den erkennbaren Gesetzen des Naturlaufs und aus den Ereignissen des geistigen Lebens davon zu erklären vermögen. Die verborgenen Geheimnisse, heißt es ja (5 B. M. 29, 28) sind bei Gott, „aber das Geoffenbarte, das in die Erscheinung der Wirklichkeit Getretene für uns und unsere Kinder ..." Das Princip, die treibende Kraft und schöpferische Macht, welche in der Geschichte des Judenthnms bei seiner Gründung und noch mehr bei seiner Erhaltung wirksam gewesen und noch allezeit wirksam sich erweist, ist die Continuität des geistigen Lebensgehaltes; der unaufhörliche, trotz aller Schwankungen und Wandelungen nie erlöschende innere Zusammenhang des seelischen Daseins und seines wesentlichsten idealen Inhalts. Von allen Gütern der Erde entblößt, aller Fähigkeiten und darum auch aller höheren Bestrebungen beraubt war der Sclavenhaufe in Aegypten wegen der „Kürze des Odems und der schweren Arbeit"; alle Mittel, alle Kräfte, alle Begierden des Aufschwungs fehlten. Was hat den Stamm dennoch wieder emporgehoben? Einzig und allein die Erinnerung an die Urväter, insbesondere an den Erzvater Abraham, und an den Gottesgedanken, welchen dieser gepflanzt und gepflegt, den er seinen Nachkommen und durch diese aller Welt vererbt hat, auf daß alle Völker der Erde durch ihn gesegnet werden sollten (S. 2. B. M. 3,

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