Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Über die inneren Ursachen der Blüthe und des Verfalls in der Geschichte der Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 92 (sequence 9)
- Language
- German
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92 Geschichte überhaupt das Interesse haben, daß es wahr sei, das ist gewiß wahr, denn es ist menschlich, so menschlich, daß wir, wie . ein geschickter Bildhauer einen Torso im Geiste seines Schöpfers zu ergänzen vermag, so auch jene Familiengeschichte, wenn sie verloren ginge, aus der nachmaligen Geschichte der Juden rekonstruiren könnten. Andererseits darf man behaupten, daß wenn der größere Theil der fünf Bücher Moses verloren ginge, jene Familiengeschichte für sich allein hinreichen würde, unsre Religion wieder auf die Beine zu stellen. Wenn man wissen will, was die Familie in der Geschichte der Juden ist und bedeutet, so braucht man nur ihre Stellung bei den übrigen alten Völkern mit derjenigen zu vergleichen, welche sie bei den Juden einnahm. In den Stufenliedern des Psalmisten kommen die Sätze vor: „Siehe, ein Geschenk des Ewigen sind Söhne, ein Lohn die Leibesfrucht". „Dein Weib wie ein fruchttragender Weinstock im Innern deines Hauses, deine Kinder wie Oelbaum-Sprößlinge rings um deinen Tisch. Siehe, also ist der Mann gesegnet, der den Ewigen fürchtet." Diese Sätze zeigen deutlich, was das Kind, dem heute erst die allgemeine und richtige Würdigung zu Theil wird, bereits im Volke Israel bedeutete. Der Begriff des Kindersegens kommt aus dem Judenthum. Es ist wahr, auch bei den Indern spielt das Kind in ihren heiligen Schriften eine wichtige Rolle. Aber es ist da von hundert und mehr Kindern einer Frau die Rede. Das ist grotesk und hat mit einer religiösen Auffassung nichts gemein. Umgekehrt erscheinen im klassischen Alterthum Kinder wie ein nothwendiges Uebel, das man auf das geringste Maß einschränken muß. Es hing da zumeist von der Willkür der Eltern ab, ob die Kinder überhaupt am Leben erhallen, oder ausgesetzt werden sollten. In Sparta ward ein Vater von drei oder vier Söhnen schon öffentlich belobt, in Rom wurde zu einer Zeit demjenigen Vater eine gewisse Bevorrechtung durch ein zu diesem Zwecke erlassenes Gesetz zugesprochen, der den Besitz dreier Kinder Nachweisen konnte, wie etwas Aehnliches Zeitungsberichten zufolge jetzt in Frankreich geplant wird. Das Verhältniß der Eltern zu den Kindern und dieser zu jenen, welches heutzutage in der ganzen gebildeten Welt als sittliche Norm gilt, ist in Israel begründet worden. Nur ist aus dem fünften