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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 81

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Kohélet
Date
1898-01-01
Page
81 (sequence 22)
Language
German
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81 Spur von auch noch so ferner und flüchtiger Einwirkung vom Kulturleben des alten Griechenlands? In jedem Falle würde er, falls er die antike Kultur kannte, keine principielleUeberzeuguna dagegen aufzustellen haben, und es find seine Abkömmlinge, die späterhin den leitenden Männern Israels so viele Sorgen bereiten, indem sie sich das Geistesleben der Unterdrücker aneignen und es genehmigen. Kohelets Sprache ist ein spätes, unreines Hebräisch, stark gemischt mit Aramäisch. Doch scheint Grätz' Vermuthung, daß das Buch unter Herodes geschrieben sein soll, aus vielen Gründen unrichtig. Man kann sich diesen kaltblütigen Raisonneur nicht gut lebend denken in der zermarterten und begeisterten Zeit der Makkabäer, seine Lebensbetrachtungen gleichzeitig niederschreibend, wo der Dichter des Liedes in seine ergreifende Klage ausbricht: Sie haben Feuer auf dem Heiligthum gesetzt, Zu Grunde geschändet die Wohnung Deines Namens. Sie sagen in ihrem Herzen: Vernichten wir sie alle! Sie verbrannten alle Gotteshäuser im Lande. Unsere Sinnbilder — wir sehen sie nicht mehr, Es giebt keinen Propheten mehr. Und Niemand unter uns weiß: Wie lange? Wie lange, o Gott, soll der Feind Dich verhöhnen? Manche glauben, daß das Buch zur Zeit der Ptolemäer entstanden. Wir haben oben den Vers 10, 16 angegeben mit: „Weh Dir, o Land, dessen König ein Sklave ist". Diese Uebersetzung scheint nämlich die richtigste, auf Grund des Gegensatzverhältnisses zum folgenden Verse. Falls jedoch der Vers, wie Reuß und die dänischen Bibelübersetzer ihn wiedergeben, gelesen werden soll: „Dessen König ein Kind ist", so paßte, was über das Unglück des Landes gesagt wird, ausdrücklich auf Ptolemäus V (205—181), der nur fünf Jahre alt auf den Thron kam. Er ist der Letzte seines Stammes, der über Palästina geherrscht hat und während seiner Jugend lag die Regierung in den Händen der Höflinge seines elenden Vorgängers. Es ist auch zu einem Zeitpunkte, der seiner Thronbesteigung nahe liegt, daß ein Ereigniß stattfand, das an jene Kriegsthat erinnert, die in Kohslet (Kap. 9) von der kleinen Stadt erzählt wird, die ein mächtiger König belagerte und die von einem verständigen Manne befreit wurde. 6

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