Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Kohélet
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 80 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Dinge" (34, 2, 3, 5). Auch er räth hin und wieder das Leben zu genießen auf Grund seiner Kürze und der Ungewißheit, wann der Tod kommt. Auch er giebt praktische, nützliche Winke ohne höhern Schwung. Im Uebrigen ist er jedoch Kohelets polarer Gegensatz, ein braver, frommer Mann, ein bürgerlicher Geist. Und er hat als Israelit eine religiöspatriotische Begeisterung, die KohÄet ganz fremd ist und die in den originellsten Theilen seines Werkes ausbricht, die dessen Schluß bilden: Die zwei großen Uebersichten über die Wunder der Natur und die denkwürdigen Männer der Geschichte. Während er die Schönheit.und Pracht der Naturerscheinungen malt, lobspricht er Gott; während er die großen Männer seines Volkes schildert und verherrlicht, lobsingt er Israel. Er ist stolz auf sein Vaterland und sein Volk, stolz darauf, Israelit zu sein, während Kohelet der Sinn für den zähesten Volkslebenswillen, der noch existirt hat, gefehlt zu haben scheint. Kohelet ist ein Typus der Israeliten, die sich bald mit der griechischen Kultur versöhnen werden. Hat er etwas davon gekannt? Renan und andre große Gelehrte verneinen es unbedingt. Dieselben Gelehrten verneinen entschieden die griechischen Wendungen in Kohelets Sprache, die zuerst Zirkel, später Grätz gefunden zu haben vermeint. Man kann streiten,, ob die Worte „gut und vortrefflich" in 5, 17 nothwendig das griechische xakbv xäfafrov sein müssen, aber man kann schwer bezweifeln, daß die Wendung „unter der Sonne" in der Bedeutung von „auf Erden", die mehr als zwanzig Mal in Kohelet und sonst nirgends in der biblischen Schrift vorkommt, die griechische Redensart ist ckl»' rjXau. Aber liegen in diesen schwermüthigen, so wenig israelitischen Stimmungen, denen er Luft giebt, um sie zu bekämpfen, nicht deutliche Spuren der antiken Gedankenwelt? Wenn er sagt: „Da pries ich die Tobten vor den Lebenden und mehr als sie Beide, die noch nicht geworden find," ist diese Auslassung, die so stark dem altisraelitischen Geist widerstreitet, nicht von der griechischen Melancholie berührt, die ihren Ausdruck erhalten hat in Sophokles' Myj cpovai xov obcavxa vaa Loys; (Nicht zu sein ist von Allem das Beste)? Und schimmert nicht in seiner bestimmten, wenn auch unwissenschaftlichen Ueberzeugung von der festen Gesetzesverpflichtung aller Dinge und dem steten Zurückkehren aller Erscheinungen eine