Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Kohélet
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 79 (sequence 20)
- Language
- German
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79 (Genieße also das Leben), „denn die Silberschnur springt und die Goldvase zerbricht, und der Krug bricht am Brunnen und das Rad rollt in die Cisterne und der Staub kehrt zur Erde zurück und wird, was er zuvor gewesen, und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat. Eitelkeit aller Eitelkeiten! sagte KohÄet. Alles ist Eitelkeit." V. Wir haben hier einen Israeliten des Alterthums ohne Hoffnungen, ohne Glückseligkeitstraum, ohneGerechtigkeitstraum, einen, dessen Seele nicht wie die der Andern überspannt ist, sa nicht einmal hochgespannt. Kaltblütig, wie er zumeist ist, erhebt er sich doch in diesem Schlüsse zu einer gewaltigen Leidenschaftlichkeit. Man muß. wie schon bemerkt, sich keineswegs denken, daß der Verfasser in seiner Zeit allein gestanden hat. Die Lebeusphilosophie, zu der er sich bekennt, hat sicher Anhänger in nicht geringer Anzahl gehabt. Die Wortsprüche enthalten viel Weltklugheit verwandter Art; aber die Wortsprüche bilden nur Sammlungen, haben keinen einzelnen Verfasser und sind nicht in einem Geiste geschrieben. Das merkwürdige Buch Sirach, das einzige der nicht prophetischen Bücher des alten Testamentes, wo wir den Urheber kennen, ein Buch, das um's Jahr 170 verfaßt ist, vom Enkel des Verfassers ungefähr 120 Jahre vor unserer Zeitrechnung herausgegeben, kann iu Einzelheiten zuweilen , an Kohelet erinnern. Sirachs Sohn hat wie dieser einen tiefen Eindruck von der Gefährlichkeit und den schlechten Eigenschaften der Frauen (Kap. 9 und 25). Er ruft wie in Angst aus: „Alle Qualen, nur nicht Herzensqualen! Alle Bosheit, nur nicht eines Weibes Bosheit!" — Er legt wie Kohvlet geringes Gewicht auf die äußere Form der Gottesverehrung, ja, geringes Gewicht auf das Gebet, besonders aus lange Gebete: „Wiederhole nicht Deine Worte in einem Gebet!" (7, 15). — Er hegt tiefe Verachtung gegen Träume und gegen diejenigen, die an Traumgesichte glauben: „Das gleicht Schatten greifen und dem Winde nachlaufen, wenn man auf Träume achtet. Traumgebilde sind unwirklich, wie die Erscheinung eines Gesichtes in einem Spiegel." — Er fürchtet jede Wahrsagekunst : „Wahrsagen und Vogelgeschrei und Träume sind eitle