Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Kohélet
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 78 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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78 „Und entferne Mißmut aus deinem Sinn und schone deinen Körper vor Anstrengung, denn Zugend und Manneskraft geht schnell dahin. „Und denk an dein Weib in den Tagen deiner Manneskraft, ehe die schlimmen Tage kommen und die Jahre eintreffen, von denen du sagen wirst: Sie gefallen mir nicht — ehe die Sonne und das Licht, der Mond und die Sterne sich verfinstern und die dichten Wolken sofort nach den Regen kommen". Hier folgt dann die malerische Schilderung der Plagen des Alters, worin, wie der Leser leicht versteht, die Wächter, die Vertheidiger, die Zuschauerinnen, die Müllerinnen, die zwei Thüren sinnbildlich für Beine, Arme, Augen, Zähne und Ohren stehen: Wenn die Wächter des Hauses wackeln Und die starken Vertheidiger kommen, Wenn die Zuschauerinnen Durch die Fenster blicken so dumm. Wenn die Müllerinnen die Arbeit lassen, Weil die wenigen sie nicht fassen. Wenn beide Thüren sich schließen Von dem Marktenlärm der Welt, Und die Mühle furchtbar lärmet, Wenn so laut der Lärm auch gellt. Wenn du nach kurzem Schlummer Dich erhebst beim Hahnenschreien, Und die Töchter das Lied anstkmmen, Die Vöglein in vollen Reihen. Wenn des W^es Steigen du fürchtest Und zitterst beim Geh'n, wenn es knarrt, Wenn die Mandel dem Zahne wird hart, Wenn die Heuschrecken nicht länger Zum Springen sich erheben, Und Kapern als Mittel gen Ohnmacht Nicht nützen mehr zum Leben, Dann gehet der Mensch den Weg hinab zum heiligen Ort. Die Klageweiber am Markt erwarten ihn schon dort.