Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Kohélet
Date
1898-01-01
Page
77 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111068-3111202--0088-3111326
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

77 Der letzte Akt, mit dem Die seltsam wechselnde Geschichte schließt; Ist zweite Kindheit, gänzliches Vergessen Ohne Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles. Kohslet's Schilderung des Alters übertrifft weit diese Verse; seine Ergüsse sind in aller Ueberladung mit Bildern, die er räthselhast zu machen liebt, äußerst kühn. Die Stelle lautet in ihrem Zusammenhänge: Laß dein Boot nur aus das Meer fahren, mit der Zeit wirst Du es wiederfinden (d. h. setze dein Vermögen kühn auf's Spiel, auf See und salzige Wogen; mit der Zeit wirst du es dadurch vermehrt finden). Theile es in sieben, ja in acht Theile (d. i. wage nicht clles auf ein Mal!), denn du kannst nicht wissen, welches Unglück dich auf Erden treffen kann. Füllen sich die Wolken mit Regen, so werden sie ihn über die Erde strömen lassen; und fällt ein Baum, sei es gegen Süden oder Norden, so bleibt er liegen, wohin er gefallen (:das ist ein Naturverhängnis, wogegen Voraussicht nicht hilft). Wer stets auf das Wetter achtet, Vergißt seine Saat zu säen. Wer stets den Himmel betrachtet, Vergißt sein Korn zu mähen. „Säe nur am Morgen (d. i. dein Samenfeld), und lasse deine Hand nicht am Abend ruhen; denn du weißt nicht, ob diese oder jene Saat Wachsthum erlangen wird, oder ob Beide gleich gut sind (d. i.: Fürchte nicht, Leben zu geben!) Süß ist das Licht in Wohlsein und Wehen, Wohl thut es den Augen, die Sonne zu sehen. Aber wenn ein Mann auch mannigfache Jahre lebt, immer in Freude, soll er doch bedenken, daß die trüben Tage kommen werden und zu viele werden können. Alles, was kommt, ist Eitelkeit! „Freue dich deshalb, Jüngling, mit deiner Jugend und laß dein Herz in deinem Mannesälter wohl gesund sein und gehe den Weg, den dir dein Herzenstrieb weist und den deine Augen begehren, und wisse zum übrigen, daß Gott dich für dies alles büßen lassen wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.