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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 76

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Kohélet
Date
1898-01-01
Page
76 (sequence 17)
Language
German
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76 Toten ein. Denn wer wird ausgenommen? Die Lebenden haben wenigstens Hoffnung. Ein lebender Hund hat es besser als ein toter Löwe. Die Lebenden wissen, daß sie sterben werden, aber die Toten wissen nicht das Geringste. Für sie giebt es keine weitere Belohnung; denn Vergessenheit ist ihr Gedeihen. Liebe, Haß, Wettstreit, alles ist längst für ste vergangen, und Niemand von ihnen hat noch irgend welchen Antheil an dem, was unter der Sonne geschieht. Wohlauf! Este dein Brot mit munterem Sinn, trinke deinen Wein mit gutem Humor, daß Gott Dir mit deinem Werk Glück geschenkt hat! Laß deine Kleider immer weiß sein, und wohlriechendes Oel nicht auf deinem Haupte fehlen! Genieße das Leben mit einem Weibe, das Du liebst, alle Tage deines vergänglichen Lebens, das Gott Dir unter der Sonne gegeben hat, alle Lebenstage deines vergänglichen Daseins; denn es ist dein Lebensantheil, der Lohn für die Mühe, die du dir unter der Sonne gemacht hast. Und thue alles schnell, was' deine Hand auszurichten vermag; denn in Scheöl (das Reich der Todten) wohin du gehst, giebt es weder Wirksamkeit, noch Klugheit, weder Wissen noch Weisheit." Wie alle andern höchsten Geister Israels empört er sich auch über die Ungerechtigkeit dieses Erdenlebens. Aber in ihm liegt nichts von der Don Quichote-Natur; er zieht nicht gegen sie zum Kampfe aus, und er erwartet nicht, sie innegehalten oder gelöst zu sehen. Was ist daran zu ändern! Es giebt ja doch gute Augenblicke im Leben. Man muß sie nur genießen, selbst wenn man weiß, daß man zumeist für jeden Genuß büßen muß, den man gehabt hat. Darum die Aufforderung, den Augenblick nicht vorübergehen zu lassen: Das Leben schreitet schnell, in der Unterwelt kommt die Reue über die Zeit, die zum Lebensgenuß verscherzt, zu spät. Und darum gegen den Schluß der Schrift die erneuten starken Aufforderungen, sich an der Schönheit des Weibes und dem Glücke des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu erfreuen, darum die geniale Beschreibung von dem elenden und zerrütteten Zustande des Alters, die sich daran schließt, eine Beschreibung, die die Schrecken des Themas unter den Variationen des schneidenden Witzes und unter dem spielenden und glänzenden Reichthum der Koloraturen deckt. In Jaques berühmter Replik über die Alter des Menschenlebens in Shakespeares „Wie es Euch gefällt" ist das Alter kurz und knapp durch diese Zeilen charakterifirt:

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