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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 75

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Kohélet
Date
1898-01-01
Page
75 (sequence 16)
Language
German
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75 KohÄet, wenn ich eins zum andern lege, um die Rechnung abzuschließen. Was meine Seele suchte, das fand ich nicht. Einen Menschen fand ich unter Tausend, aber ein Weib habe ich unter allen nicht gefunden. — Doch sieh! Ich habe gefunden, daß Gott den Mann rechtlich erschaffen hat. aber sie (die Weiber) verfallen auf allerlei Ränke." Hören wir weiter, wie die Einsprüche gegen die Triumphe der Schlechten in dieser Sprache klingen: „Dies alles habe ich gesehen und habe meine Gedanken auf jede That gerichtet, die unter der Sonne geschieht, zu einer Zeit, da ein Mensch nun über den andern herrscht, um Böses zu thun. — Ich habe das Begräbniß der Betrüger gesehen, der Leichenzug entfernt sich von dem heiligen Orte, und sie werden gelobt und gepriesen in der Stadt, wo sie übel gehandelt haben. Auch das ist Eitelkeit! — Weil das Gericht nicht sofort an dem Unrecht vollzogen wird, erkühnen sich die Adamskinder Böses zu thun. Ein Sünder, der hundert Mal übel gethan hat, erreicht ein hohes Alter und doch weiß ich (habe ich gelernt), daß denen das Glück Vorbehalten ist, die Gott fürchten, auf daß sie ihn fürchten sollen; aber gut solle es dem Verbrecher nicht gehen, und, der nicht Gott fürchtet, solle nicht länger als ein Schatten währen. — Es geschieht eine Verkehrtheit auf Erden: Gerechte, denen es nach den Thaten der Bösen ergeht, und böse Menschen, denen es nach Thaten der Gerechten ergeht. Noch eine Eitelkeit! habe ich zu mir gesagt. — Da pries ich die Freude, weil für den Menschen unter der Sonne nichts gut ist, außer essen und trinken und sich vergnügen; denn das ist das einzige, was ihm für seine Mühsal in seinen Lebenslagen übrig geblieben, was Gott ihm unter der Sonne vergönnt hat.. . „Als ich über all dies gedacht hatte, um es zu ergründen, sah ich, daß die Gerechten und Weisen und ihr Schicksal in Gottes Hand sind. Der Mensch weiß nicht einmal, ob er zum lieben oder hassen auf die Welt kommt; alles ist möglich, alles kann Alle hoffen. Das gleiche Schicksal kann den Gerechten und den Verbrecher treffen, den Guten (und den Bösen), den Reinen und den Unreinen ... In all diesem, das unter der Sonne geschieht, das ein und dasselbe Schicksal Alle treffen kann, liegt gewiß ein Uebel. Darum sind die Herzen der Adamskinder von Bosheit erfüllt; Tollheit wohnt in ihrem Herzen, ihr ganzes Leben hindurch. Dann gehen sie zu den

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