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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 67

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Kohélet
Date
1898-01-01
Page
67 (sequence 8)
Language
German
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67 Ich sah alle die Thaten, die unter der Sonne geschehen, und siehe, Alles war Eitelkeit und vergebene Jagd nach dem Wind. Was gekrümmet, kann nicht gerichtet werden, Und was fehlt, wird nicht ersetzt auf Erden. Ich sprach mit meinem Herzen und sagte: Ich habe mehr Kenntnisse erworben und gesammelt, als irgend einer von Allen, die vor mir über Jerusalem waren, und mein Herz hat viel Weisheit und Einsicht gewonnen. Ich hatte nämlich meinen Sinn darauf gerichtet, Weisheit zu erkennen und sie von dem zu unterscheiden, was Tollheit und Thorheit ist. Ich sah bald ein, daß auch dies Jagd nach Wind sei, denn Neue Erfahrung bringt neues Leid, Höheren Kummer birgt höhere Weisheit Wie man sieht, besitzt Kohölet die Eigenthümlichkeit, Verse in seine Prosa einzuschalten, sicher zum Theil Citate bekannter Redensarten, wahrscheinlich aber häufig von ihm selbst verfaßt. Zuweilen, wo der logische Faden reißt, wirken die Verse als leichte Zwischenspiele. Kohelet durchgeht nun nach und nach alle Beschäftigungen, die er in seinem Leben ergriffen hat und die er gleich fruchtlos gefunden hat. Er hat Lustbarkeit und Wein und alle Freuden des Reichthums erprobt, hat gebaut und gepflanzt, Heerden und Sklaven, Sklavinnen und Vieh gehabt, Sänger und Sängerinnen, hat vollauf von Weibern, Macht und Wirksamkeit gehabt, aber alles war Leere, zu keiner Freude, zu keinem Nutzen. Er hat Weisheit gesucht, denn er sah ein, daß der Weise mehr werth ist, als der Thor, der im Lichte wandelt, wie dieser im Finsteren, aber bald begriff er, daß das Loos des Weisen und des Thoren gleich ist, beide sterben und beide werden vergessen. Er gesteht zu und stellt außer Zweifel, daß die Gesellschaft eines geliebten Weibes ein Gut ist, aber im Allgemeinen ist das Wew eine Gefahr, ein Feind, der bestrickt und fängt, bitterer als der Tod. Das Beste ist, unvermählt zu leben. Aber auch der Unvermählte benimmt sich thöricht. Er arbeitet und macht 5*

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