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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 65

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Kohélet
Date
1898-01-01
Page
65 (sequence 6)
Language
German
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65 hältnisse und eine Abhilfe der Beschwerden und Nebel des Erdenlebens ist unmöglich. Die Gesetze, die das Menschenleben lenken, sind so fest wie die Gesetze, die die Natur beherrschen, und bewirken die gleiche Einförmigkeit. Welchen Vortheil hat der Mensch von aller Mühe, die er sich unter der Sonne macht? Ein Geschlecht geht, ein anderes Geschlecht kommt und die Erde bleibt stets auf ihrem Platze. Die Sonne geht auf und die Sonne geht unter; sie kehrt schnell an ihren Ort zurück und sie geht wieder auf; sie geht nach Süden und wendet sich gegen Norden. Unaufhörlich kehrt und dreht der Wind, um stets nach seinem Kreislauf zurückzukehren. Alle Flüsse laufen ins Meer und das Meer wird nicht voll und die Flüsse laufen zurück an den Ort, wo sie ausflossen, um von Neuem zu laufen. Dies Alles ist so ermüdend zu erklären. Der Mensch kann auf Nichts Antwort geben. Das Auge sieht sich nimmer satt und das Ohr hört sich nimmer satt. Was einmal gewesen ist, wird wieder werden. Was geschehen ist, wird wieder geschehen. Es giebt nichts Neues unter der Sonne. Wenn Einer Dir von Etwas sagt: Sieh, das ist neu! so glaube ihm nicht; es ist aber schon vor uns in alten Zeiten gewesen. Man erinnert sich nicht mehr der Menschen der Vergangenheit und die Menschen der Zukunft, die kommen, werden denen nicht im Gedächtniß bleiben, die nach ihnen kommen. In dieser ausdauernd und beredt verkündeten Ueberzeugung von dem Kreisläufe des Daseins bietet sich ein Berührungspunkt mit 'bestimmten alten Denkern, die der Verfasser jedoch wahrscheinlich nicht gekannt hat. Als die Frage über einen Anfang des Weltalls bei den hellenischen Philosophen theils dadurch entstand, daß das Entstehen und Vergehen der Einzelwesen diese Frage nahe legte, zum Theile daraus, daß sie den Erdkörper Veränderungen unterworfen sahen und nicht geneigt waren, Luft, Wasser und Erde als ursprüngliche Elemente anzusehen — da lautete die älteste Antwort, daß das Weltall einen Anfang und ein Ende haben müsse; das ist die Antwort aller alten Kosmogonisten. Da der Gedanke jedoch hartnäckig zum Anfang zurückkehrte und auch nicht das unbedingte Weltende zu sassen vermochte, gelangte man bald zur Vorstellung eines unaufhörlichen Verwandlungsprozesses. Dieser konnte wieder nur auf zweierlei 5

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