Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Kohélet
Date
1898-01-01
Page
64 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111068-3111202--0075-3111313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

64 Ein einziger Hirte gab sie den Meistern zum Schalten und Walten. Nun ist's genug. Mein Sohn, macht Jemand den Versuch, Zu reichen Dir ein andres, neues Buch, ' So lies es nicht. Was soll das Ende werden Der Schreiberei auf unserer Erden! Viel Lesen langweilt und ermüdet. Das Ende des Wortes, wenn Alles gehört ist: „Fürchte Gott und halte sein Gebot, denn es ist" der ganze Mensch. Jede That wird Gott vor Gericht bringen, alles Verborgene und alles Bekannte, es sei gut oder böse." Die Sprache in Kohelet, die dem rein Hebräischen fern liegt, ist den Gelehrten an vielen Punkten undurcksichtig. Aber so unsicher auch die Einzelheiten sein mögen, so klar ist der Grundgedanke des Buches./ Er ist schon in seinen ersten Worten ausgedrückt: Eitelkeit der Eitelkeiten! sagte Kohelet. Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles ist eitel! Der Ausdruck Eitelkeit der Eitelkeiten ist die wortgetreue Uebersetzung. Die hebräische Sprache bezeichnet durch dies« Form den Superlativ: die höchste Eitelkeit. In dieser Schrift liegt so wenig wirkliche Komposition, wie in irgend einer anderen des israelitischen Alterthums; die einzelnen Abschnitte könnten an vielen Stellen umgesetzt werden; es giebt keinen Plan, kein Steigen von einem einfachen Anfang zu einem reicheren, stärkeren oder zusammensassenden Schluß. Jeder der kurzen Abschnitte enthält irgend ein Erlebniß, eine Beobachtung, Erfahrung oder Erwägung, die verallgemeinert oder in Sentenzensorm gebracht wird, und diese Sentenz geht stets von der Leere, ja Nichtigkeit aller Dinge aus. Kohelet beginnt damit, die ewige Wiederholung zu verkünden. Es findet keine Veränderung statt, deshalb noch weniger ein Fortschritt. Die Sonne geht unablässig auf und unter, Geschlecht auf Geschlecht wird ununterbrochen geboren, es ist ewig dasselbe und allbekannte. Die Vergangenheit war nicht schlimmer, als die Gegenwart, die Zukunft wird nicht besser werden und überhaupt nichts Neues bringen. Den Kräften des Menschen sind Grenzen gesetzt, die er, nie überschreiten kann. Ihr Schicksal bewegt sich stets im gleichen Ringe. Darum giebt es keine Besserung der irdischen Ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.