Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Kohélet
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 62 (sequence 3)
- Language
- German
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62 die keinen Tröster haben und von der Hand ihrer Unterdrücker gehet Gewalt aus und sie haben keinen Helfer." <4 1). Oft ist die Kritik Satire und die Satire mit Ironie durchgeführt: „Siehst Du im Lande den Armen unterdrückt und Raubbegier an Stelle des Rechtes und der Gerechtigkeit, so sollst Du Dich nicht wundern, dies beruht darauf, daß über dem Hochgestellten noch ein Größerer und über ihnen noch andre Höhere wachen!" (57). Der König ist als Despot aufgefaßt. Er ist nur davon abhängig, ob der Acker Ertrag giebt oder nicht; sonst ist er der ganz freigestellte Tyrann: „Er kann thun, was er will! Das Wort eines Königs ist eine Macht. Wer kann zu ihm sagen: Was thuest Du?" Hand in Hand mit der politischen Polemik geht eine religiöse Polemik und Satire. Kohelet hat hier eine Schule oder Gruppe vor Augen, die in tiefen Mißmuth verfallen ist, alles schwarz steht, glaubt, daß die Vergangenheit besser war, und deshalb über die Gegenwart verzweifelt. Gegen diese Gruppe richtet er das Wort: „Mißmuth ruht im Schooße der Thoren," und gegen sie diese Wendung: „Sag nicht: Wie kommt es, daß die Tage der Früheren besser als diese waren? Nicht aus Weisheit hast Du solches gesagt." Wohl scheint er selbst in einigen Sentenzen der Schwermuth den Preis vor der Fröhlichkeit zu geben. Falls diese Aeußerungen als direkte Ausdrücke seiner eigenen Grundauffassung verstanden werden müssen, so bedeuteten sie einfach, daß die lärmende Freude -und das Lachen dummer Menschen widerlich klingen kann; aber vielerlei deutet darauf hin, daß diese sprichwortartigen Sentenzen allein als erläuternde Beispiele zum Ausspruche angeführt werden (6, 11 >: Es giebt viele Worte, die nur Eitelkeit verbreiten (Thorheit). Solche Worte sind nämlich: „Besser Mißmuth als Scherz. Besser ins Trauerhaus als ins Festhaus gehen." Ohne Umschweife giebt er selbst die Kritik über den folgenden, doch keineswegs herausfordernden Satz: „Bester das Schelten der Weisen zu hören, als den Gesang der Thoren, denn das Lachen der Thoren ist wie das Knistern der Dornen unter dem Kessel." Er fügt nämlich hinzn: „Auch das ist Eitelkeit."