Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Kohélet
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 61 (sequence 2)
- Language
- German
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61 daß alles Lebende, was unter der Sonne wandelt, mit dem Jüngling hält, mit dem andern, der seinen Platz einnehmen wird. (4, 13.) Man höre doch besser auf, was der Weise ruhig sagt, denn was der Herrscher in seiner Thorheit schreit. (9, 17). Die Klage über den König führt zur Klage über seine Regierungsweise: Es ist ein Unglück, das ich unter der Sonne sah, ein Jrrthum der Gewaltigen: Der Niedere sitzet in großer Würde und der Vornehme sitzet tief. Ich sah Sklaven zu Pferde und Fürsten als Sklaven zu Fuße gehen. (10, 5). Dies weist deutlich auf die zeitweiligen Machthaber und auf die höchsten Beamten des Landes, worin der Verfasser lebt. Wenn er jeden Augenblick aus dem Zusammenhänge fällt, so geschieht es wahrscheinlich aus Furcht, zu deutlich zu werden. Er sagt z. B.: Weh Dir, o Land, deß König ein Sklave ist und dessen Fürsten von früh an essen (10, 16). Aber fügt dann hinzu, um sich offenbar hinter der Parallele zu decken: Heil Dir, Du Land, dessen König wohlgeboren ist und dessen Fürsten zur bestimmten Zeit essen, um' ihre Kraft zu stärken und nicht um zu schwelgen. Er schaltet ein, Sprichwort ein: Auf die Faulen fallen die Balken des Daches, so daß sie enden. Wie Wasser entrinnt das Haus den lässigen Händen. Und er fährt fort: Als Scherz betrachten sie Brot und Wein, was die Lebendigen erquickt. Und Geld klärt Alles. Aber er empfiehlt die größte Vorsicht in der Kritik an: Sogar in Deinem stillen Sinnen sollst Du nichts wider den König sagen, selbst in Deiner Schlafkammer sollst Du einem mächtigen Manne nicht ftuchen; denn einer der Vögel des Himmels kann den Laut entführen und der beflügelte Bote kann das Wort wiederholen, d. h.: Es giebt überall Spione. Unter dieser Negierung ist alles nur Unterdrückung der Schwachen und Schutzlosen, Rechtskränkung über Rechtskränkung. „Und ferner sah ich unter der Sonne: An der Stätte des Rechtes Unrecht und an der Stätte der Gerechtigkeit Ungerechtigkeit." (3, 16). „Ich sah noch alle die Unterdrückungen, die unter der Sonne geschehen und siehe: Die Thränen der Unterdrückten,