Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Kohélet
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 60 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Kohvlet. Von Georg Brandes. der Spitze des kleinen Buches im alten Testamente, das wir den „Prediger" nennen, findet man einen Namen, bestehend aus den vier Konsonanten K, H, L, T, der zeitig KohÄet gelesen wurde und der als eine Art von Zifferschrift erscheint, worunter sich eine uns jetzt unzugängliche Benennung verbirgt, denn solche Vermummung oder Namensverbergung war im israelitischen Alterthum beliebt. Da die Wurzel im Worte Kohölet Kahal ist, was Versammlung bedeutet, bedeutet Kohelet, als das Participium im weiblichen Geschlechter Diejenige (Frau), die versammelt — was keinen Sinn hat. Aber da die Versammlung auf griechisch Ekklesia heißt, was später Kirche bedeutete, übersetzte man KohÄet in Ekklesiastes. Luther machte daraus „der Prediger", und wir, die wir so viel Deutsches nachmachen, erhielten so den barokken Namen „Praedikeren". Die Philologen haben längst aus sprachlichen Gründen vermuthet, daß das Buch nicht dem fernen Alterthum, sondern den jüngsten Schriften des alten Testamentes angehört, wenn sie auch sehr uneinig sind über den Zeitpunkt, zu dem es entstanden. Die zahlreichen politischen Anspielungen sind uns unklar, aber man empfindet leicht, daß hier Andeutungen auf bestimmte Verhältnisse vorliegen: Besser ein unglücklicher und wöiser Jüngling, als ein alter und thörichter König, der sich nicht einmal warnen läßt. Denn aus dem Gefängniß tritt einer, um königlich zu herrschen, obgleich er arm im Reiche geboren. Ich habe gesehen,