Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Lehre uns unsere Tage zählen
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 56 (sequence 3)
- Language
- German
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— 56 sprichst (dann): „Kehret zurück Menschen-Söhne" (wie Ps. 104, 29—34). Man möchte hier gerne Tieferes lesen, Geistiges*); .aber das Folgende V. 4. „Ja, tausend Jahre sind in Deinen Augenwie der gestrige Tag, wenn er vergeht, und eine Nacht-Wache" (Ihm, dem Außerzeitlichen, verschlägt es nichts, daß die Menschengeschlechter wechseln!), zeigt, daß nur an diese in sich ruhende ewige Allmacht, und im Gegensatz dazu die Vergänglichkeit des Menschen gedacht ist, und allerdings soll wohl dabei nicht außer Acht gelassen werden, daß trotz der Hinfälligkeit des Menschen, das je neu erwachende Geschlecht in dem Ewigen sein Heim finden kann, gefunden hat und immer finden wird. So tief ist jedoch der Geist des Dichters gerade in diesem Gedanken der menschlichen Nichtigkeit versenkt, daß er dieselbe noch in zwei weiteren Versen ausmalt. V. 5—6. „Du schwemmst sie hin"; (Du lässest sie entstehen), „ein Schlaf werden sie"; (Traumwandler**) und auch nur von kurzer Dauer, „am Morgen wie Gras, welches blüht und strotzt, am Abend welkt es, und verdorrt". Woher das? Uns muß bange werden, der Dichter habe sein des 1. Verses vergessen. Er klagt weiter: „Wir vergehen in Deinem Zorn und in Deinem Grimm werden wir weggeschreckt." Nun erst giebt der Dichter für dieses elende Geschick *) Wie die LXX thun, sie lesen statt des letzten Wortes el be3 vorigen Verses biß Negation al und ziehen diese zmn folgenden: Du vernichtest den Menschen nicht ut$> sprichst: kehrt um (thut Buße) Menschen-Söhne. **) Ganz anders die LXX: rd s!;ovdevü){uona ävicov en7 saovrai sie hatten wohl dieselben Consonanten. vor sich wie wir, vocalisirten aber jedenfalls anders, etwa: nJtßJ DnET]i „ihr Same wird ein Jahr dauern", im Gegensatz zu den unzähligen Jahrtausenden der Gottheit. — Aber auch diese Lesart scheint doch nach ihrem Sinne unsere obige Uebersetzung zu rechtfertigen. fcebeutet nur den starken, reichen Regenguß, und an sich noch nicht das Fort schwemmen; und wenn nun von demselben Stamm auch das Nomen . m allgemein anerkannter Bedeutung gebildet wird, warum sollte nicht auch das Verbum Hinströmen d. h. zeugen bedeuten können.? Und so braucht man nicht an den Todesschlaf zu denken.