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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 55

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Lehre uns unsere Tage zählen
Date
1898-01-01
Page
55 (sequence 2)
Language
German
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55 Propheten- und Psalmen-Dichter erreicht hat. Die Erhabenheit, die sich hier aussprickt, ist jene schroffe, welche den Gegensatz zwischen Gott und Mensch in aller Herbheit ausspricht, wie wohl nirgends sonst geschieht, wenn nicht etwa in Hiob. So beginnt nun der Dichter sogleich mit „Herr", Adonai, die strenge, herrschende Seite des unendlichen Gottes hervorkehrend*), doch nur um diesem Gefühl, dem fast noch heidnischen, sogleich im nächsten Worte ein trauteres entgegen zu setzen: „als Heim** ***)) hast Du Dich uns erwiesen durch alle Zeiten" — als Heim, so übersetze ich, nicht Zuflucht oder Obdach, welche man nur gelegentlich in einer trüben Zeit sucht, nicht das war Gott, sondern die feste Wohnung, deren Schutz uns zu keiner Zeit fehlte, und als solche ist er uns wirksam gewesen, schützend und waltend, denn das Hebr: haja"*j ist niemals wie unser sein bloßes abstraktes Prädikat, sondern etwa geschehen, leben, streben; und so hat er sich gezeigt „zu jeglicher Zeit" — ja wohl, das konnte er in vollem Maße; „denn ehe Berge geboren waren, und das fruchtbare Land allerlei Geschöpfe hervorgebrachl hatte, und von Ewigkeit zu Ewigkeit bist Du der aÜmächtige, allwaltende Gott"ch). Der Dichter wollte sagen, wozu ihm seine Sprache das Wort nicht darbot, Gottes Dasein sei von keiner Zeit umgrenzt/ Besser scheint mir, hat der Dichter des Jigdal, dies so ausgedrückt: zu seinem Dasein (gehört) nicht Zeit, während wir zum Dasein jedes Dinges die Zeit hinzudenken müssen. Wir sagen Gott ist unzeitlich, außerhalb aller Zeit; und der Philosoph sagt, Gott schafft die Zeit und alle Zeit. B. 3 Dieser Gott hat auch den Menschen geschaffen. Aber das sagt der Dichter nicht, sondern die Schöpfung desselben übergehend, hebt er die Vergänglichkeit hervor, vergißt aber nicht, daß er das Geschlecht der Menschen immer wieder erneuert. „Du läßt den Menschen zu Staub werden, und *) Also gar nicht wie 2 M 15, 17, wo es dem nirp parallel steht, nach 5 M 3, 34 wo es neben letzterem steht, nach 2 M. 4,10. 13 wo es jenen Sinn nicht hat. Ein Zusammenhang mit Mose ist also hier nicht erwiesen. **) Ob nyo oder pyo ist wohl gleich. Nach strengster philologischer Observanz ist letzteres vorzuziehen. ***) LXX ByevtjS-tjg. t) also wieder ein auch dem Heidenthum angehörender Ausdruck.

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