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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 52

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Psalmen in der Weltliteratur
Date
1898-01-01
Page
52 (sequence 20)
Language
German
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— 52 — Hauses, Deine Söhne wie Oelbaumsetzlinge rings um Deinen Tisch. Ja siehe, also wird gesegnet der Mann, der den Herrn fürchtet." Noch einen Blick müssen wir werfen aus die Naturpoesien in dem Psalter, die kein Geringerer als Alexander von Humboldt aufs Höchste bewundert und gepriesen. Die Erde ist ja des Herrn und was darinnen ist, der Erdboden und die darauf wohnen; und so sieht der Israelit überall in der Natur Gott; nicht macht er die Natur zu Gott, aber sie ist ihm eine Offenbarung Gottes. „Die Natur," sagt Humboldt, „wird nicht geschildert als ein für sich Bestehendes, durch eigene Schönheit Verherrlichtes; dem hebräischen Sänger erscheint sie immer in Beziehung auf eine höher waltende geistige Macht. Die Natur ist ihm ein Geschaffenes, Angeordnetes, der lebendige Ausdruck der Allgegenwart Gottes in den Werken der Sinnenwelt." Ich weise nur hin auf den köstlichen Erntedankpsalm, den 65.: „Du krönest das Jahr mit Deinem Gut und Deine Fußtapfen triefen von Fett," auf den gewaltigen 29. Psalm, den Gewitterpsalm, der in hehrer Majestät die Herrlichkeit Gottes im Gewitter schildert, und vor allem auf den 104.: „Herr, wie sind Deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet und die Erde, ist voll Deiner Güter" — ein Lied, welches in der Weltliteratur nicht seines Gleichen hat. „Man möchte sagen," so äußert sich Humboldt, „daß in dem einzigen 104. Psalm das Bild des ganzen Kosmos dargelegt ist. . ... . Man erstaunt, in einer lyrischen Dichtung von so geringem Umfange, mit wenigen großen Zügen das Universum, Himmel und Erde geschildert zu sehen. Dem bewegten Elementarleben der Natur ist hier des Menschen stilles, mühevolles Treiben vom Aufgang der Sonne bis zum Schluß des Tagewerkes am Abend entgegengeftellt." Und wo ist der Mensch als nur ein winziges Atom in der Natur und doch nach seiner königlichen Herrscherwürde in derselben tiefer erfaßt-und dargestellt, alsin dem 8. Psalm, wo die ganze Schöpfung als eine vieltausendstimmige Verkündigung der Herrlichkeit ihres Schöpfers, wie in dem 19. Psalm, wo die Himmel die Ehre Gottes erzählen und die Veste seiner Hände Werk verkündigt, wo der Sonnenball an ihm aufgeht wie ein Bräutigam aus seiner

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