Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Psalmen in der Weltliteratur
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 51 (sequence 19)
- Language
- German
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51 wohl tritt uns dies entgegen in dem Kehrverse des 42. Psalms, wo wir in dem vertrauensvoll ausschauenden Auge des Sängers noch die Thräne schimmern sehen, die das Weh ihm ausgepreßt hat: „Was betrübst Du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichtes Hülfe und mein Gott ist." Das ist der männliche, heldenhafte Zug in der israelitischen Frömmigkeit, welcher zu ihren köstlichsten Kleinodien gehört und vorbildlich ist für die gesammtc Welt, etwas „Menschliches, das alle wollen sollten". So finden wir in dein Psalter auch, wie allbekannt, die tiefsten und erschütterndsten Töne für Sünde und Buße, wie die hellsten und erhebendsten für Gnade und Vergebung. „So Du Herr willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?" sPs. 130, 3s. „Meine Verschuldungen sind zahlreicher als die Haare meines Hauptes und mein Herr hat mich verlassen" sPs. 40, 13s. „Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler" sPs. 19,13s. Und dann: „Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten; so fern der Sonnenaufgang ist voni Sonnenuntergang, läßt er unsere Ucbertretung von uns sein. Wie sich ein Vater erbarmt über Kinder, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten" sPs. 103, 10—13s. Und daß über Gottes Gnade der Ernst seiner Heiligkeit nicht vergessen werde, lesen wir im 130. Psalm das tiefsinnige Wort: „Denn bei Dir ist die Vergebung, daß man Dich fürchte." Doch auch für menschliche Verhältnisse noch ein paar Psalmenworte. Kann Friede und Eintracht wohl schlichter und eindringlicher empfohlen werden, als mit dem Sänger des 33. Psalms: „Siehe, wie sein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig bei einander wohnen?" Und kann das Glück des Hauses und der Segen des Familienlebens traulicher und anheimelnder geschildert werden, als mit dem Sänger des 128. Psalms: „Wohl einem jeden, der den Herrn fürchtet, der in seinen Wegen wandelt! Du wirst Dich nähren von Deiner Hände Arbeit, wohl Dir, Du hast es gut. Dein Weib ist wie ein fruchtbarer Weinstock im Innern Deines