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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 47

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Psalmen in der Weltliteratur
Date
1898-01-01
Page
47 (sequence 15)
Language
German
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47 tischen Religion ruht. Es ist das Einsetzen der ganzen Person für die Sache Gottes, das völlige Aufgehen in ihr, gerade die gewaltige Energie des religiösen Empfindens. Der Israelit sieht in sich seinen Gott verfolgt, gehaßt, unterdrückt, angefeindet, in dem Glück der Frevler ein Unterliegen der heiligen Sache seines Herrn. Die Worte des 139. Psalms: „Sollte ich die nicht hassen, die dich, Herr, hassen? Mit vollem Hasse hasse ich sie, Feinde sind sie mir" müssen als Motto dieser ganzen Art von Aeußerungen betrachtet werden: niemals handelt es sich um persönliche Feindschaft, sondern nach dem Empfinden dieser Sänger nm Gottes heilige Sache, und auch das Böse, was sie den Feinden anwünschen, ist doch nur ihr eigener Frevel, den Gott als Uebel auf ihr Haupt zurücksallen lassen soll. Auch wo dieses Gottesgericht in den Formen siegreicher Kriege Israels erscheint, da ist es niemals der eigene Ruhm oder die eigene Ehre, was sie suchen: „Nicht uns Herr, nicht uns, sondern Deinem heiligen Namen gieb die Ehre" sPs. 115, 1s. „Ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen, und mein Schwert schafft mir nicht Sieg; sondern Du schenkst uns Sieg über unsere Bedränger, und machst zu Schanden, die uns hassen" sPs. 44, 7—8s. Und was die Sänger leiden müssen, das sind sic sich bewußt um Gottes und ihres Glaubens willen zu leiden: „Um deinetwillen werden wir hingewürgt den ganzen Tag und sind geachtet wie Schlachtschafe," klagt der Sänger des 44. Psalms und in dem vielberusenen Rachepsalm/ den 69. lesen wir: „Gott, Du kennst meine Thorheit und meine Verschuldungen sind Dir nicht verborgen. Laß nicht in niir zu Schanden werden, die auf Dich harren, Herr, laß nicht in mir beschämt werden, die Dich suchen, Gott Israels! Denn um Deinetwillen wage ich Schmach, bedeckt Schande mein Antlitz. Der, Eifer um Dein Haus hat mich geftessen und die Schmähungen derer, die Dich schmähen, sind auf mich gefallen." Ihre Sache ist zugleich Gottes Sache und ihre Ehre zugleich Gottes Ehre. Sollen die Heiden denn beständig höhnen: Wo ist nun euer Gott?! Oftmals sprechen es die Sänger ergreifend aus, wie schwer es ihnen füllt, still zu sein und an sich zu halten bei diesem scheinbaren Unterliegen der Sache Gottes und dem Hohn und Uebcrmuth der triumphirenden Gottlosen. Nein,

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