Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Psalmen in der Weltliteratur
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 46 (sequence 14)
- Language
- German
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46 sogenannten apostolischen Bekenntnisse sich selbst als die Gemeinschaft der Heiligen, und kein Christ nimmt Anstoß hieran, obwohl er weiß, daß diese Gemeinschaft durchaus nicht aus lauter Heiligen besteht, ja daß in ihr sich auch nicht einer befindet, der au dem Maaßstab der göttlichen Heiligkeit gemessen wirklich als heilig anerkannt werden könnte. Und Aeußerungen unfreundlicher Gesinnung gegen Andere sind unbedingt zuzugeben. So enthält beispielsweise Psalm 69 und noch mehr Psalm 109 eine Reihe von Verwünschungeu der Feinde, die gewiß nicht vorbildlich sind und von denen wir nicht wünschen können, daß alle Menschen so empfinden, und wenn am Schlüsse des Psalms 137, der so herrlich und so tief ergreifend begonnen hatte, den Babyloniern angewünscht wird, daß. der Feind ihre Kuäblein nehme und sie zerschmettere. an dem Felsen, so äußert sich hierin eine Leidenschaftlichkeit, die Niemand zu verteidigen und zü beschönigen wagen wird; ich. wollte mir gern die rechte Hand abhauen lassen, wenn dieser eine Vers nicht im Psalter stände. Auch die spätere prophetische Literatur weist in dieser Beziehung Unerfreuliches auf und an dem Buche Esther hat man auch jüdischerseits mit Recht schweren Anstoß genommen. Aber auch hier handelt es sich doch nur um vereinzelte Erscheinungen und Strömungen, denen eben so bedeutsame entgegengesetzte die Waage halten. Wie manche Psalmen reden von den Gottlosen und Feinden in heiligem sittlichen Ernst ohne Leidenschaftlichkeit und Erbitterung, und wünschen nur, daß sie beschämt werden und zur Einsicht ihrer Schlechtigkeit kommen! Ja kann man dies Unrechte Eifern für Gott besser und schlagender zurückweisen, als mit den köstlichen Worten des 37. Psalms, die schon der herrliche Felix Mendelssohn in seinem Elias benutzt, um durch einen Engel den Feuereifer des Elias zu zügeln: „Sei stille dem Herrn und hoffe auf ihn, er wird Dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem Herrn deine Sache und vertrau ans ihn, er wird's schon machen. Steh ab vom Zorn und laß den Groll, ereiffe dich nicht, denn das führt nur zum Bösesthum!?" Ja selbst jene unleugbar abstoßenden und verletzenden Aeußerungen, sie sind bei Lichte betrachtet nur die Fehler von Tugenden, Ucbcrtreibungen und Auswüchse von Eigenschaften, in welchen die Stärke der israeli-