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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 44

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Psalmen in der Weltliteratur
Date
1898-01-01
Page
44 (sequence 12)
Language
German
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44 dazu sagen soll. Denn der Zorn Gottes ist gerade eine echt und spezifisch deutsche Vorstellung, für welche die deutschnationale Volksreligion sogar ein besonderes Wort geprägt hat, wenn sie von einem Asenzorn, altnordisch LsrrMr, redet. Die alten Deutschen waren eben in ihrem Empfinden viel zu fein und viel zu kräftig, waren viel zu echte und viel zu edle Kinder der Natur, um nicht auch für die Energie des Sittlichen und Guten eine kampfesfrohe und sieghafte Vorstellung auszuprägen. Wenn wir in der Edda lesen, wie Thor, um die finsteren Gewalten zu vernichten und dem Guten zum Siege zu verhelfen, als er sah mit Frevel die Luft erfüllet und er säumet selten, wo solches er wahrnimmt, wie die Völuspä sagt, nun im Asenzorn seinen furchtbaren Hammer Mjölnir ergreift und muchig den schrecklichen Giftwurm trifft, so wird doch kein Mensch leugnen wollen, daß " das völlig die nämlichen Anschauungen sind, wie wenn es im Buche Jesaja heißt: „Das sah Gott und es schien ihm böse, daß es kein Recht mehr gab. Und als er sah, daß niemand da war, und staunend erkannte, daß niemand einschritt, da half ihm sein Arm, und seine Gerechtigkeit, die unterstützte ihn. Und er legte. .Gerechtigkeit an wie einen Panzer und den Helm des Heils auf sein Haupt, nahm Rachekleider als Gewandung und hüllte sich in Eifer, wie in einen Mantel. Nach dem was gethan, vergilt er: Grimm seinen Feinden, Vergeltung seinen Hassern, daß die vom Westen den Namen des Herrn fürchten und die vom Sonnenaufgang seine Herrlichkeit" sJes. 59, 15—19s. Es zeigt auch dies, wiegerade das Empfinden der deutschen Volksseele eine entschiedene Verwandtschaft hat mit der israelitischen, was zum ersten Male meines Wissens ein Mann ausgesprochen hat, dessen Namen man ja allerdings bei Vielen nicht mehr nennen darf, ohne gesteinigt zu werden, nämlich Heinrich Heine, der aber darin, wie in so manchem Anderen, vollkommen Recht hat. Und sollte man trotz alledem auf seinen Schein bestehen, , denn mit Unverstand und bösem Willen kämpfen ja die Götter selbst vergebens, und sich nach wie vor in deutschnationaler Gesinnung entrüsten über den zornigen

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