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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 41

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Psalmen in der Weltliteratur
Date
1898-01-01
Page
41 (sequence 9)
Language
German
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41 denkbar ist, und sei sie noch so lebenswahr, ja selbst noch viel schöner und herrlicher, als irgend ein irdisches Menschenwesen von Fleisch und Blut. Das berühmte Dichterwort: Sei hochbeseligt oder leide. Es braucht das Herz ein zweites Herz gilt nicht nur von dem Verhältniß des Menschen zum Menschen, sondern auch vom Verhältniß des Menschen zu Gott. Die Religion braucht einen Gott, zu dem sie in ein persönliches Liebesverhältnis von Herz zu Herz treten, dem sie ihr Herz ausschütten, zu dem sie beten kann; es ist nicht zufällig, sondern tief bedeutsam, daß David Friedrich Strauß in seinem Alten und Neuen Glauben, nachdem er nicht mehr festhalten kann an der Persönlichkeit Gottes, die zweite Hauptftage: Haben wir noch Religion? nicht mehr unbedingt zu bejahen wagt, sondern nur mit einem: Je nachdem man es nehmen will. Dieser Kern und Stern aller Religion, der Glaube an einen persönlichen Gott, ist nun der Angelpunkt der Religion Israels, und diese Wahrheit hat sie mit einer sieghaften Energie ohne Gleichen verkündet und mit einer dichterischen Kraft ohne Gleichen in Worte gefaßt; wie will man aber eine Persönlichkeit schildern oder von ihr reden anders als in den Formen und nach der Weise der einzigen uns bekannten Persönlichkeit, eben unserer menschlichen? Und das ist das wunderbare Geheimniß des Alten Testaments, daß es, so menschlich von Gott redend, nur ihn uns menschlich näher bringt, ohne seiner Göttlichkeit das Geringste zu vergeben. Man kann hier das Dichterwort anwenden: Beseligend ist seine Nähe, Und alle Herzen werden weit. Doch eine Würde, eine Höhe Entfernet die Vertraulichkeit. Ja, beseligend ist seine Nähe und alle Herzen werden weit; er tritt uns entgegen als der traute Retter und Helfer, als der vertraute Freund und Berather, aber die Vertraulichkeit, jede unehrerbietige Annäherung, ist ausgeschlossen — denn auch in dieser traut anheimelnden Gestalt bleibt er

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